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Thorsten Zirkwitz • My Problem
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DAS RUCHLIS-THEMA IM DREIZÜGER (PART ONE)

von Thorsten Zirkwitz

Der moderne Dreizüger hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten sprunghaft weiterentwickelt. Längst geht es nicht mehr um die einfache Darstellung sogenannter klassischer Themen; sie dienen heute meist nur als Grundlage zur Realisation komplexer Mechanismen und Ideen. Es fällt auf, daß die innovativen Dreizügerkomponisten im Zuge dieses neuen Trends sich stärker dem reichen und komplizierten Themeninventar des Zweizügers zuwenden. Die Darstellung bekannter Zweizügerthemen im Dreizüger versteht sich jedoch nie als reiner Selbstzweck. Es geht vielmehr um eine nutzbringende Verbindung dieser Ideen mit den Charakteristika des 3#. Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und sollten den engagierten Problemkomponisten zu weiteren Experimenten auf diesem Gebiet ermutigen.

Eines der Zweizügerthemen, das in den letzten Jahren Einzug in den Dreizügerbereich gehalten hat, ist das Ruchlis-Thema. In seiner Grundform läßt es sich wie folgt beschreiben: In einem Satz- oder Verführungsspiel werden zwei schwarze Paraden
1... a/b mit zwei weißen Zügen 2.A/B beantwortet. Im reellen Spiel ändern sich die weißen Züge auf die Paraden 1... a/b zu 2.E/F (Angriffswechsel {Anmerkung: Es ist m.E. äußerst unglücklich, den Wechsel der zweiten Züge im Dreizüger als Mattwechsel zu bezeichnen. Leider hat sich die unbedachte Übernahme des Zweimatt-Terminus bei einigen Komponisten und Kommentatoren eingebürgert. Ich plädiere für eine dem Dreizüger angemessene Bezeichnung dieses Sachverhalts. Der Begriff "Angriffswechsel" stellt dabei nur ein Provisorium dar; denkbar wäre auch die Bezeichnung "Fortsetzungswechsel". Ich halte es dagegen für sehr umständlich, von einem "Wechsel der zweiten (und bei Mehrzügern der n-ten) Züge" zu sprechen.}). Nach zwei neuen Paraden 1... c/d kehren dann die weißen Satzzüge 2.A/B wieder (Paradenwechsel).

Die verhältnismäßig geringe Zahl korrekter Darstellungen (etwa 20) läßt den Schluß zu, daß Angriffs- und Paradenwechsel nicht ohne Schwierigkeiten im 3# zu realisieren sind; in der Tat merkt man den meisten Problemen ihren "Taskcharakter" an. Doch ungeachtet einiger Schwachstellen können sich die Resultate sehen lassen.

Die Synthese von "Ruchlis" und "Dreizüger" ist eng mit dem Namen Walentin Rudenko verbunden. Der ukrainische Großmeister hat sich wie kein anderer mit diesem Themenkomplex beschäftigt. So ist es auch nicht verwunderlich, daß die Hälfte der zwölf Probleme, die ich hier vorstellen möchte, von ihm stammen. Problem
A ist das erste Ergebnis seiner Bemühungen. Die Aufgabe "lebt" eigentlich nur vom Buchstaben-Schema und stellt somit die ideale praktische Einführung in unser Thema dar.
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Im
Satzspiel ermöglicht Schwarz durch Deckungsfreigabe den weißen Springern den Zugang zu den Feldern c3 und g3, von denen aus sie ungehindert auf e4 mattsetzen können: 1... d3 2.Sc3 ~ 3.Se4# und 1... f3 2.Sg3 ~ 3.Se4#. Der Schlüssel 1.e4! erzeugt Zugzwang. Nun sind die Satzspiele nicht mehr möglich, da Weiß das potentielle Mattfeld der Springer mit dem Bauern geblockt hat. Was geschieht jetzt nach 1... d3 bzw. 1... f3? Nun, Weiß bringt den schwarzen Springer in Zugzwang, indem der jeweils noch zugfähige Bauer mit 2.f3 bzw. 2.d3 geblockt wird (Angriffswechsel). Der Springer muß die Deckung von d5 preisgeben und ermöglicht so den Mattzug 3.Td5(:)#. Die weißen Springerzüge des Satzspiels tauchen nach den en-passant-Schlägen 1... de3: ep. und 1... fe3: ep. wieder auf (Paradenwechsel): 2.Sc3/Sg3, und die Springer können wieder auf e4 mattsetzen. Wie gesagt, die Aufgabe ist mehr Schema als Problem; doch wie so häufig bei der Bearbeitung eines für den Komponisten neuen Themas strebt dieser zuerst nach der einfachsten Darstellung, um der Idee überhaupt eine Form zu geben. Es ist dann sehr viel leichter, ausgehend von diesem Ergebnis, sich komplizierteren und lohnenderen Mechanismen zuzuwenden.

Einer dieser lohnenden Mechanismen ist zweifellos die Siersbatterie die ideale Grundlage vieler moderner Themen-Realisationen. Es erscheint daher nur logisch, daß Rudenko bei seiner zweiten Ruchlis-Bearbeitung (Diagramm
B) sich dieses Mechanismus bediente.
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In den Satzspielen öffnet der Springer c3 die Damendiagonale b2-d4 und macht so die folgenden - zugegeben, wenig plausiblen - Abspiele möglich: 1... Sb5 (leider sogar 1... S3~) 2.Se8+ Kd5 3.Sf6:# und 1... S3e4 (blockt e4) 2.Sa6+ Kd5 2.Sb4#. Der Schlüssel 1.Db6! - nicht sehr überraschend, da der Springer c5 seinem König ein Fluchtfeld verschaffen kann - mit der Drohung 2.h8S 3.Sf7# zerstört die Satzspiele, da die Dame die Diagonale b2-d4 verlassen hat. Zieht Schwarz nun 1... Sb5, wird der Springer kurzerhand vom gebahnten Turm geschlagen: 2.Tb5: (3.Dc5:#) S~ 3.Se8#; kein sehr origineller Wechsel. Weitaus gehaltvoller gestaltet sich der Wechsel nach 1... S3e4. Nun erlangt das Motiv der Verstellung des schwarzen Läufers h1 Bedeutung: 2.Dc6:+ Kc6: 3.Tb6#. Man ahnt schon, wie die Paradenwechsel zustande kommen. Der Springer c5 öffnet die neue Damendiagonale b6-d4 und läßt die ursprünglichen Rösselabspiele wieder aufleben: 1... Sa6 (es verteidigen auch 1... Sb7/Se6; diese Züge verwässeren das thematische Spiel) 2.Se8+ Kd5 3.Sf6:# und 1... S5e4 (blockt e4) 2.Sa6+ Kd5 3.Sb4#. Der Schematismus der ersten Aufgabe wurde überwunden, doch ist dieses Problem noch weit davon entfernt, überzeugend, homogen und natürlich zu wirken.

Mit Problem
C wagte sich Rudenko an eine recht ehrgeizige Themenverbindung: Ruchlis + fortgesetzte Verteidigung!
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Zieht der Turm in der Ausgangsstellung beliebig, kann der Läufer d6 den schwarzen König in die Turm-Springer-Batterie zwingen (die Dame übernimmt durch die Linienöffnung die Deckung des Punktes e5): 1... T~ 2.Lc5+ Kc5: 3.Sb5#. Korrigiert der Turm seinen Zug, indem er auf e4 schlägt (jetzt kann er die Batterie nach 2.Lc5+ Kc5: 3.Sb5+ mit 3... Tc4 unterbrechen), blockt er jedoch das vom Sc3 kontrollierte Feld. Weiß zieht nun umgekehrt 2.Sb5+ (öffnet die Turmlinie) ab5: 3.Lc5#. Ein sehr feines, durch die Turmzüge plausibel erscheinendes Satzspiel. Der Schlüssel 1.Dg5 droht still 2.Dd8 und 3.Db6#. Uns interessiert natürlich zuerst, wie die Wechsel nach den Turmzügen zustande kommen: 1... T~ (um nach 2.Dd8 mit Lf4+ antworten zu können) gibt diesmal die Damendiagonale g5-d2 frei. Es folgt 2.Td2+! Kc3:/ed2: 3.De3:#/Dd2:#. Die fortgesetzte Verteidigung 1... Te4:!? (deckt e3) kann Weiß still mit 2.Lf3:! (3.Se2#) beantworten. Man sieht jetzt auch, warum dieser Zug im Satzspiel nach 1... Te4:!? nicht möglich war; die Parade 2... e2 wird nun mit 3.Dd2# erledigt. (Im reellen Spiel wird 2.Lf3:? nach 1... T~ durch 2... de4:! widerlegt.) Und natürlich leben die Satzspiele nach Zügen des schwarzen Läufers f5 (mit den gleichen Motiven) wieder auf. Man sehe: 1... Lf~ (2.Dd8 Tf6+) 2.Lc5+ - die Dame deckt nun von g5 aus e5 - 2... Kc5: 3.Sb5# und 1... Le4:!? (beobachtet Tc2, blockt aber für den Sc3) 2.Sb5+ ab5: 3.Lc5#. Wenn man sich ein wenig in den Mechanismus der Aufgabe vertieft, muß die Dame fast zwangsläufig nach g5 ziehen, allein um die augenfälligen Paradenwechsel herbeizuführen. Es spricht für das Genie von Rudenko, die dazu passende Drohung zu finden. Ich werde dann immer ein bißchen wehmütig; wie oft schon mußte ich die Seifenblase eines funktionierenden Mechanismus platzen lassen, weil sich einfach kein Drohspiel einstellen wollte (ich denke, ich spreche vielen Komponisten aus der Seele). Man muß sich einmal vorstellen, daß diese Aufgabe nicht ins Fide-Album 80-82 aufgenommen wurde. Welche Negativpunkte mögen die Auswahlrichter dazu bewogen haben, diesem großartigen Wurf ihr Placet zu verweigern!?

Objekt2a1c
Die nächste Aufgabe (Diagramm
D) möchte ich als Höhepunkt der "Ruchlis-Forschung" Rudenkos bezeichnen. Der Mechanismus wirkt so leicht und unkompliziert, daß man sich fragt, warum darauf nicht schon früher jemand gekommen ist. Das Satzspiel ist aus anderen Aufgaben bekannt: Schlägt Schwarz mit Turm oder Läufer auf dem augenfälligen Blockpunkt d5, dann öffnet der Springer dualvermeidend die Damenlinie b8-e5; und der weiße Läufer f4, nun von der Bewachung des Feldes e5 befreit, setzt auf e3 matt (dualvermeidend deshalb, weil die Springerschachs nicht im Wirkungsbereich der auf dem Blockpunkt schlagenden Figur erfolgen dürfen; sie würde das Feld sonst wieder entblocken): 1... T/Ld5: 2.Sce6/Sb5+ Le6:/Tb5: 3.Le3#. Ich erinnere mich noch genau, wie ich das Problem seinerzeit löste: Mir war intuitiv klar, daß die Angriffswechsel durch Züge des weißen - und unterbeschäftigen - Läufers d7 erfolgen würde. Nur, wie sollte das gehen? Mir sprang gleich der hinterstellende Zug 1.Dd8 ins Auge. Der Läufer würde nach schwarzem Schlagen auf d5 "irgendwie" die potentielle Fesselungslinie d8-d4 öffnen. Aber was sollte die Dame auf d8 drohen? Die einzige Perspektive, die sie hat, ist auf e7 zu nehmen. Und tatsächlich: Bei genauerem Hinsehen verwandelten sich meine "Irgendwies" in wohlbegründete, eindeutige Züge: 1.Dd8! (2.De7:! Le6 3.Df6:#), und jetzt müssen "natürlich" die Satzspiele auch Verteidigungen gegen die stille Drohung darstellen: 1... Td5: (2... Te5+) 2.Le6! (3.Dd5:/Sb5#) - der Läufer muß prophylaktisch das Feld d5 decken, sonst pariert Schwarz mit 2... Td8: - 2... Sb6 3.Sb5# und 1... Ld5: (2... Lf3+) 2.Lf5! (2.Sce6#) - deckt das Feld e4 - 2... fg5: (das wäre sonst die Widerlegung) 3.Se6#. Schön, wie die Springerzüge des Satzspiels als Mattzüge im reellen Spiel wieder auftauchen! Weiter geht's mit den Paradenwechseln: Mit 1... Tc6: (2... Te6+) gibt Schwarz die Deckung des Feldes b5 auf; es folgt 2.Sb5+ Kd5: 3.Le6# (der zweite Zug des Angriffswechsels!), und 1... Lg6 (2... Ld3+) - gibt die Deckung des Feldes e6 auf; leider pariert 1... Le6 ebenfalls - 2.Sce6 Kd5: 3.Le8# (schade, daß nicht 3.Lf5# folgt, dann wäre die Vertauschung der zweiten und der Mattzüge perfekt; es ist aber auch so unglaublich genug, daß 3.Le8# das einzige Abzugsmatt ist, denn das Feld c6 muß gedeckt bleiben). Wie auch in der vorangegangenen Aufgabe initiieren zwei schwarze Figuren die Angriffs- und Paradenwechsel. Hier kommt hinzu, daß auch die thematischen weißen Züge von nur zwei weißen Figuren ausgeführt werden: So sollte es sein! Die Konstruktion ist über jedes Lob erhaben. Ich zögere nicht, das Problem als Kunstwerk zu bezeichnen: komplexe Thematik mit scheinbar einfachen Mitteln verwirklicht. Und wie urteilten die Auswahlrichter des FideAlbums 80-82? Nun, die Aufgabe "schlidderte" so gerade eben mit acht Punkten in das hochgelobte Album (Nr. 413, S. 155). Nicht einem Richter war Rudenkos Leistung die Höchstnote 4 wert. Einer von ihnen zog gar die 2, ein kleinlautes "Kann ins Album" also!

Als ich bei der Schwalbetagung 1990 in Lüneburg die letzten beiden Aufgaben im Rahmen eines Kurzvortrages vorstellte, war ich von den Reaktionen einiger Zuhörer doch etwas überrascht. Ich machte während des Vortrages keinen Hehl daraus, daß ich das Problem
D dem Problem C vorzöge. In den Gesprächen danach zeigte sich, daß die Präferenzen bezüglich der Aufgaben genau umgekehrt waren. Problem D wirke eher zufällig, habe keine Linie und lasse strategischen Inhalt vermissen. Problem C dagegen sei thematisch anspruchsvoller, zeichne sich durch seinen prägnanten Mechanismus aus und sei einfach gängiger. Sicher treffen objektiv gesehen einige der genannten Charakterisierungen zu. Doch mich begeistert gerade die Virtuosität und die scheinbare Einfachheit von D gegenüber dem Kalkül und dem logischen Wirkungsgefüge von C. An einem besteht jedoch kein Zweifel: Beide Aufgaben werden in der Literatur fortbestehen.

Problem
E unserer Rudenko-Serie läßt die Routine spüren, die der Komponist bei der Beschäftigung mit dem komplexen Thema gewonnen hat. Wir erleben eine Fülle taktischer Momente, die das starre Buchstabenschema vergessen lassen.
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Zuerst wie immer das Satzspiel: Schlägt Schwarz mit Springer oder Turm den Bauern d6, so kann der weiße Turm d4 (der jetzt von der Bewachung dieses Punktes befreit ist) dualvermeidend den Läufer f3 aus der Verstellung des Bauern f2 zwingen: 1... Sd6: 2.Td5+ (2.Te4+? Se4:) Ld5: 3.f4#, und 1... Td6: 2.Te4+ (2.Td5+? Td5:) Le4: 3.f4#. Weiß muß also darauf achten, daß die Schachs nur im Wirkungsbereich des Läufers f3 erfolgen. Der Schlüssel 1.Lc7 (2.de7:+ ~ 3.Sd7(:)#) übernimmt die Deckung des Punktes d6 und verwandelt die bestehende weiße Drittelfesselung in eine Halbfesselung. Nun wird auch klar, warum nach dem Schlüssel nicht die Weglenkung des Lf3 drohen kann: Der Bf2 wird nach den Turmschachs vom schwarzen Läufer a7 gefesselt. Die neuen Paraden 1... Sc5/Sb6 heben durch ihre Verstellwirkung die weiße Halbfesselung La7-Td4-Bf2-Kg1 auf. Der weiße Turm d4 kann nun wieder versuchen, dem weißen Bauern f2 zum Matt auf f4 zu verhelfen. Im Falle von 1... Sc5 geht aber nur 2.Td5+ Ld5: 3.f4#, denn nach 2.Te4+? Se4: verbleibt der schwarze Läufer f3 schadlos in seiner Verstellposition. Analog führt nach 1... Sb6 nur 2.Te4+ Le4: 3.f4# zum Ziel (2.Td5+ Sd5:) - also auch hier Dualvermeidung durch schwarze Doppeldeckung. Die weiße Dame, die sich scheinbar hinter der weißen Bauernphalanx auf der g-Linie versteckt hat, tritt per Angriffswechsel in Aktion. Konnte der Springer f5 in der Ausgangsstellung dem Fehlversuch 1.Dh7? noch mit Sd4: entfliehen (leider auch ein Zug, gegen den mit 1.Lc7 etwas unternommen werden mußte), so muß er jetzt nach der Selbstfesselung 1... Sd6: tatenlos zusehen, wie die Dame nach 2.Dh7 auf seinem Ausgangsfeld f5 mattsetzt (der Trial nach 2... Le4, Lg4: 3.f4#/De4(:)#/Te4(:)# ist nicht schön, ließ sich wohl aber nicht vermeiden). Nach 1... Td6: gibt der Turm die Deckung des Feldes f6 auf und ermöglicht den Zug 2.Dh8 (3.Df6#) mit der Folge 2... Te6/Sg7 3.Sd7:/Ld6:#. Nebenvariante: 1... fg5: 2.Dg5: Tf6 3.Df4#.

Mit dem Kraftakt
F möchte ich die Rudenko-Serie beschließen {Anmerkung: Das Diagramm auf Seite 178 (Nr. 462) des Rudenko-Buches (+ sBh3) erwies sich als unlösbar (1.Sb4? Se6! 2.Dg2: hg2:).}. In einem Einleitungskapitel seiner hervorragenden Monographie "Ausschöpfung eines Themas" zeigt Rudenko sehr eindrucksvoll, daß der Titel des Buches das Motto seines kompositorischen Schaffens darstellt. Dieses Kapitel ist dem Dreizügerthema "Räumungsopfer einer weißen Figur zum Zwecke der Linienöffnung bzw. der Feldfreigabe" des 1. WCCT gewidmet, das seinerzeit vom Österreicher Dr. Klaus Wenda gestellt wurde. Rudenko läßt den Leser an seiner intensiven Arbeit mit dieser Idee teilhaben und gibt einen lehrreichen Einblick in seine Kompositionswerkstatt. Auch nach Beendigung des 1. WCCT ließ ihn das Motiv nicht mehr los, das er dann in vielen Variationen und in Verbindung mit anderen Themen darstellte. Natürlich entstanden bald auch die ersten Rudenko-Ruchlis, in denen die Damenräumungsopfer eine zentrale Rolle spielen. Schauen wir uns eines seiner Ergebnisse an:
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Auch in Aufgabe
F wird das Satzspiel durch einen Blockpunkt - hier f5 plausibel gemacht: Nach 1... Df5: hat Weiß zwei Räumungszüge mit Schachgebot zur Auswahl. 2.De8+? scheitert an 1... D/Se6, so daß 2.Dd6:+ Td6: 3.Sc6# übrigbleibt. 1... Sf5: wird dagegen mit 2.De8+ Te8:/Se7 und 3.Sc6/De7:# beantwortet (2.Dd6+? Sd6:). Der effektvolle Schlüssel 1.Sb4!, der leider auch gegen 1... cd3: gerichtet ist, droht still 2.Dg2: nebst 3.Sbc6/De4#. Es ist unschwer zu erkennen, daß nach 1... D/Sf5: die weißen Satzzüge nicht mehr funktionieren: Das Feld c6 wird vom Lg2 gedeckt. Nun geht aber auf 1... Df5: 2.Sf3+ Lf3: 3.d4#, da die Dame das Feld e4 bewacht. Weitaus komplizierter gestaltet sich der Angriffswechsel nach 1... Sf5:, denn 2.Sf3+? mit der Idee 3.d4# ist jetzt nicht mehr möglich, weil der Springer das Mattfeld des Bauern deckt. Weiß ist aber mit dem überraschenden 2.Df3!! erfolgreich, und Schwarz hat gegen die Drohungen 3.Sbc6/Df4:# nur noch 2... Lf3: 3.Sf3:#. Auch hier ahnt der Leser, wie die Paradenwechsel zustande kommen: Verstellt Schwarz die Diagonale c6-g2 mit 1... Td5, geht wieder 2.De8+ T/Se8:/ Se6 3.Sc6/De6:# (2.Dd6:+? T5d6: und c6 ist von g2 aus gedeckt). Nach 1... Sd5 zieht Weiß umgekehrt 2.Dd6:+ Td6: Sc6# (2.De8+? Se7!). Da kann einem schon schwindelig werden!



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