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Thorsten Zirkwitz • My Problem
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DIE POPANDOPULO-BATTERIE (PART ONE)

von Thorsten Zirkwitz & Marcel Tribowski

Vorbemerkung

Seit ihrem erstmaligen Erscheinen vor fast 30 Jahren hat die Popandopulo-Batterie (im folgenden: PB) zahlreiche Bearbeitungen erfahren. In den letzten zehn Jahren kann man sogar von einem Boom des Mechanismus sprechen, der zunehmend auch die Bereiche des Selbstmatts und des Märchenschachs erobert hat. Umso erstaunlicher ist es, daß sich - unseres Wissens - noch kein ausführlicher Artikel der mehrzügerspezifischen Batterie gewidmet hat. Dieser Aufsatz versteht sich nicht als umfassende Monographie zur PB. Es geht uns vielmehr darum, die vielfältigen und unterschiedlichen Realisierungsmöglichkeiten vorzustellen, die die PB dem Komponisten bietet und ihn zu weiteren Arbeiten anregen soll. Wir haben uns daher bei der Auswahl - bis auf die wenigen Task-Probleme - vom Kriterium der Originalität leiten lassen. Die Eigenzitate möge man uns nachsehen.

Der Mechanismus

Bei einer Siers-Batterie handelt es sich um eine direkte Batterie, deren abziehender Vorderstein ein "Durchgangsfeld" betritt. Dabei gibt er dem gegnerischen König ein Fluchtfeld, das er ihm später von anderer Stelle, dem "Zielfeld", wieder nimmt. Nach dem Schlüsselzug umfaßt der thematische Ablauf einer Siers-Batterie demnach zwei weitere Züge. Eine PB wiederholt diesen Vorgang; dazu wird die aufgelöste Batterie neu nachgeladen, bevor sie nach demselben Prinzip abzieht.

Eine PB definieren wir als konsekutive Siers-Batterie mit mehreren Vorder-, aber einem Hinterstein. Inklusive Schlüssel und Nachladen verlangt deren Darstellung mindestens sechs Züge.

Die bloße Verdoppelung des Siers'schen Mechanismus verdiente noch keine eigene Bezeichnung, wären mit ihr nicht auch eigenständige, mehrzügerspezifische Abläufe vorstellbar.

Der Übersichtlichkeit halber haben wir bei den Lösungsangaben auf schwarze Königs-Pendelzüge weitgehend verzichtet.

1) gilt als Erstdarstellung und ist wohl die bekannteste Aufgabe des Autors (die Bezeichnung PB geht auf einen Vorschlag E. Umnows zurück). Schwarz muß die doppelte Deckung je eines von vier Zielfeldern aufgeben (zwei davon werden 'durch den sK hindurch' gedeckt), über das dann die weißen Springer nacheinander herfallen.

Objekt2a1Objekt2a1a

1.Lb3 - 2.b:a6 - 3.Sb5+ Ke4 4.Sac3#, 1.- S:b4 2.Sa4+ 3.Sc5+ L:c5 4.Sc3+ 5.Sa4+ 6.S:c5#, 1.- Tf7 2.Sb1+ 3.Sd2+ e:d2 4.Sc3+ 5.Sb1+ 6.S:d2#, 1.- c5 2.Sd1+ 3.Sf2+ e:f2 4.Sc3+ 5.Sd1+ 6.S:f2#, 1.- T:h3 2.Sd5+ 3.Sf6+ g:f6 4.Sc3+ 5.Sd5+ 6.S:f6#

Das Stück blieb nicht ohne Wirkung, wie die beiden nächsten Beispiele zeigen. Mit Umwandlungshilfe gelingt in 2) auf diese Weise sogar die Eroberung eines doppelt gedeckten Zielfeldes.

1.Lc6 b:c6 2.Se6+ 3.Sc5+ T:c5 4.Sf8+! 5.Se6+ 6.S:c5+ D:c5 7.f8S+ 8.Se6+ 9.S:c5# (4.f8S+? 5.Se6+ De8 6.T:e8+ Kd7!)

3) verwendet als Vordersteine Türme statt Springer. Bereits der Bahnungs-Auswahlschlüssel droht eine von vier(!) Themavarianten. Im Nebenspiel schimmert das Motiv erneut hindurch - eine frühe Letztform.

Objekt2a1bObjekt2a1a1

1.Tg7 - 2.T2g6+ 3.Tf6+ e:f6 4.Tg2+ 5.Tg6+ 6.T:f6#, 1.- Sd7 2.T2g5+ 3.Tf5+ e:f5 4.Tg2+ 5.Tg5+ 6.T:f5#, 1.- Sd6 2.T2g4+ 3.Tf4+ e:f4 4.Tg2+ 5.Tg4+ 6.T:f4#, 1.- Sd5 2.T7g3! Sf4 3.e:f4 e:f4 4.Tf3+ e:f3 5.Tg3+ 6.T:f3#, 3. - Dc6 4.e3 - 5.Te2#, (1.- L:g7 2.T:g7+ 3.f8D+(Tg2+) T:f8 4.Tg2+(f8D+) 5.Tg8+ 6.T:f8#)

4) zeigt die PB als Task. Die weißen Springer werden auf insgesamt sechs Zielfeldern gesehen: das theoretische Maximum. Die Einstellung einer weißen Hilfskraft (a4) überrascht hier kaum.

1.h3 - 2.Sb7+ 3.S:c5+ b:c5 4.Sd6+ 5.Sb7+ 6.S:c5#, 1.- Tg8 2.Se8+ 3.S:f6+ S:f6 4.Sd6+ 5.Se8+ 6.S:f6#, 1.- f5 2.S:f7+ 3.S:g5+ T:g5 4.Sd6+ 5.Sf7+ 6.S:g5#, 1.- Lg3 2.Sf5+ 3.S:g3+ S:g3 4.Sd6+ 5.Sf5+ 6.S:g3#, 1.- b3 2.Sb5+ 3.S:c3+ S:c3 4.Sd6+ 5.Sb5+ 6.S:c3#, 1.- e2 2.Sc4+ 3.Sd2+ c:d2 4.Sd6+ 5.Sc4+ 6.S:d2#

Themendarstellungen

Wie schon die Siers-Batterie bildet die PB noch kein Thema, sondern ist vielmehr ein Darstellungsmittel. Ihre Lautstärke und die Dominanz des Mechanismus machen es nicht leicht, andere Inhalte einzuarbeiten. Bei der 'klassischen' PB beschränkt sich das schwarze "Mitspracherecht" auf den ersten Zug.

Das am häufigsten zu sehende Motiv steht unter dem Motto "Verteidigung auf einem Feld". 5) ist nicht die erste, wohl aber die sparsamste Darstellung vierer schwarzer Selbstfesselungen nach weißer Linienverstellung (+sBb6 gg. DL 1.- T8d4 2.Sh5(Se2)+ 3.Shg3+ 4.Dc5+).

Objekt2a1cObjekt2a1d

1.Dc4 [2.Sg-] Dd4 2.Se2+ 3.Sc3+ S:c3 4.Sg3+ 5.Se2+ 6.S:c3#, 1.- Ld4 2.Sh5+ 3.Sf6+ S:f6 4.Sg3+ 5.Sh5+ 6.S:f6#, 1.- T1d4 2.Sf1+ 3.Sd2+ S:d2 4.Sg3+ 5.Sf1+ 6.S:d2#, 1.- T8d4 2.Sf5+ 3.Sd6+ S:d6 4.Sg3+ 5.Sf5+ 6.S:d6#

Im Dreizüger 5a) werden die thematischen Varianten in das Satzspiel verlegt. In der Lösung kommt es zu vier durch Linienöffnungen motivierten Fortsetzungswechseln.

*1.- D:c4/T7:c4/T1:c4/L:c4 2.Sg5+/Se5+/Se1+/Sd2+, 1.Db5 (2.De5+) D:c4/T7:c4/T1:c4/L:c4 2.Se6/Sc6/Sc2/Sb3

Bekannt gewordene Versuche, die PB mit Funktions- ("Buchstaben-") Wechselthemen zu verbinden (S.Sovik, 1.Pr. Bayer MT 1988; L.Schilkow, 1.Pr. Schachmaty w SSSR 1988), halten einer Korrektheitsprüfung nicht stand.

Selbstmattbeispiele zur PB stammen durchweg aus jüngster Zeit. Nach vollzügiger außerthematischer Drohung zeigt 6) zwei schwarze Batterieaufbauten als genrespezifischen Effekt.

Objekt2a1eObjekt2a1f

1.Le7 - 2.Sb7+ 3.Da2+ Kb5 4.Da5+ Kc4 5.Dc5+ Kb3 6.Dc2+ d:c2#, (3. - Kd4 4.Lc5+ Kc3 5.Dc2+), 1.- S:f3 2.Sf7+ 3.S:e5+ f:e5 4.Sd6+ 5.Sf7+ 6.S:e5+ S:e5#, 1.- T:f3 2.Sf5+ 3.S:e3+ f:e3 4.Sd6+ 5.Sf5+ 6.S:e3+ T:e3#

Bei der logischen 7) schalten beide vorbereitenden Lenkungen die schwarze Batterie des Probespiels aus, die ausschaltende Figur sich jedoch dualvermeidend auch selbst ein. Wählte Weiß nun die falsche Fortsetzung, käme es zur einer dresdnerischen Ersatzverteidigung.

1.Sb4+/Sd4+? 2.S:d5+/Sf5+ e:d5+/e:f5+!, 1.a4! - 2.Sa3+ 3.S:c4+ d:c4 4.Sc2+ Ke4 5.Sa3+ Ke3/Kd5 6.S:c4/Td2#, 1.- Sd6 2.Sb4+(Sd4+?) 3.S:d5+ e:d5 4.Sc2+ 5.Sb4+ 6.S:d5#, 1.- Sb6 2.Sd4+(Sb4+?) 3.Sf5+ e:f5 4.Sc2+ 5.Sd4+ 6.S:f5#, (1.- Td6 2.K:e5 f2 3.T:f2 4.Sd4+ 5.Te2#)

Objekt2a1g8) schafft die Verbindung der PB mit dem Umnow-Thema. Schemagemäß betritt Weiß die thematischen Felder im übernächsten Zug, also erst dann, wenn Schwarz zurückschlagen kann. Die erste Umnow A - Doppelsetzung im Sechszüger gehört zu den verblüffendsten Konstruktionsleistungen der letzten Zeit.

1.Td8 - 2.Sf8+ 3.Sg6+ h:g6 4.Sd7+ 5.Sf8+ 6.S:g6#, 1.- T:e3 2.S:c5+ 3.Sd3+! T:d3 4.Sd7+ 5.Sc5+ 6.S:d3#, 3.- e:d3 4.D:e3+ Te4 5.Sd7+ 6.Dc5#, 1.- T:g5 2.Sf6+ 3.Sg4+! T:g4 4.Sd7+ 5.Sf6+ 6.S:g4#
3.- f:g4 4.T:g5+ Sf5 5.D:f1 6.D:f5#, (1.- Sc4 2.S:c5+ 3.K:c4! T:e3 4.Sbd7+ 5.Sd3+ e:d3 6.D:e3#, 3.- f4 4.Lg6! h:g6 5.Sbd7+ Kf5 6.Tf8#, 1.- Sc6 2.Sf6+ S:d8 3.Se8+ K:d5 4.c4+ Ke5 5.Lc3+ Td4 6.Sd7#)

Dem "Kraftsport" (Preisrichter zu 8) sehr nahe steht auch 9). Hier gelang es nach zahlreichen Anläufen, die PB mit einem Pickaninny zu verbinden.

 

Objekt2a1hObjekt2a1i

1.Dg3 - 2.L:e7, 1.- d:c6 2.Se5+ 3.S:c6+ S:c6 4.Sf3+ 5.Se5+ 6.S:c6#, 1.- d:e6 2.Sg5+ 3.S:e6+ L:e6 4.Sf3+ 5.Sg5+ 6.S:e6#, 1.- d5 2.Sd2+ 3.Sb3+ S:b3 4.Sf3+ 5.Sd2+ 6.S:b3#, 1.- d6 2.Sg1+ 3.S:e2+ d:e2 4.Sf3+ 5.Sg1+ 6.S:e2#, 4.- e:f3 5.Df4+ Kd3 6.Lb1#, 4.- Kd3!? 5.Df2!(Df4?) S:f2 6.Tc3#, (1.- L:h4 2.S:h4+ 3.S2f3+ 4.Sf5(Sg2)+ L:f5(L:g2) 5.Sh4+ 6.S(:)f5#, (1.- Tc4 2.L:e7 d2+ 3.S:d2+ 4.Dd6+ Ke3 5.T:c4#)

Thematisch ähnlich ist der Klassiker 9a) von Visserman (Pickaninny + Siers-Rössel). Er löste das Problem des kruzialen Einfachschritts des Bauern mit Vermeidung der Selbstfesselung (Ausschaltung des Störschachs Lb4+ in 9).

1.Sc4 Zugzwang, 1.- d:c6/d:e6 2.S:e7+/Sg7+ 3.S:c6/S:e6#, 1.- d6/d5 2.S:g3+/Sh4+ 3.Se2/Sf3#; (1.- Lc2/a5 2.Se3+/Sd6+)

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