| Ein neuer Dombrovskis-Effekt im Dreizüger von Thorsten Zirkwitz und Michael Keller Die folgenden fünf Aufgaben beinhalten einen - zumindest für Dreizüger neuen - Dombrovskis-Effekt, der sich durch das abgebildete Schema verdeutlichen läßt. Wir wollen hier eher von einem Effekt reden, denn das klassische Dombrovskis-Thema ist durch mindestens zwei schwarze Paraden und eindeutige Drohungen geprägt, im Gegensatz zu der einen Kernparade und der Doppeldrohung im vorliegenden Schema. Man erkennt dennoch, daß das hier ein Dombrovskis-typisches Paradoxon vorliegt. Zum einen folgen auf die schwarze Parade x in jeweils zwei Varianten die weißen Themamatts A oder B. Zum anderen verteidigt sich Schwarz in einer dritten Variante mit dem Zug x gegen die doppeldrohenden Züge A und B, aber Weiß kann mit einem Mattzug C kontern. Wir haben es also mit der ins Variantenspiel eingeschlossenen Form des Dombrovskis zu tun: Der schwarze Themazug widerlegt nicht, sondern ermöglicht ein neues Matt.
In Problem I) wird mit dem Schlüssel 1.d3 und der Drohung 2.e4+ das Geschehen in Gang gesetzt. Nach 1...S:e2 folgt 2.Sf3 mit der Drohung 3.T:d6#. Schwarz pariert mit seinem Themazug 2...d:e5 und es folgt 3.Lc4#. In der zweiten Variante geht es umgekehrt: 1...De1 2.Kc7 (jetzt droht 3.Lc4#) und es folgt 2...d:e5 3.Td6# Das klassische Le Grand Thema also. Der Dombrovskis-Effekt verbirgt sich in der dritten Variante. Zieht Schwarz 1...L:f5, droht Weiß mit 2.e8D beide Matts 3.T:d6# und 3.Lc4#. Nun aber pariert 2...d:e5 die Doppeldrohung, und es folgt das neue Matt 3.Dd7#. (Lösung:1.d3! (2.e4+ S:e4 3.d:e4#), 1...S:e2 2.Sf3 (3.T:d6#), 2...d:e5 3.Lc4#, 1...De1 2.Kc7 (3.Lc4#), 2...d:e5 3.Td6#, 1...L:f5 2.e8D (3.Lc4,T:d6#), 2...d:e5 3.Dd7#, 1...d:e5 2.Lc4+ Kd4 3.S:c2#) Die konstruktionelle Schwierigkeit dieser - wie auch der beiden folgenden Aufgaben - liegt in der Bewältigung der schwarzen Parade x im ersten Zug (1...d:e5 2.Lc4+ Kd4 3.S:c2#). Es ist nicht befriedigend, daß hier zum einen ein thematischer Zug zum Einsatz kommt und zum anderen der wSa3 eigentlich nur als mattgebende Figur in dieser heiklen Variante gebraucht wird.  
Problem II) wirkt "aufgeräumter" und die eben angesprochene konstruktionelle Schwierigkeit wird eleganter gelöst (siehe Lösung). Auch hier handelt es sich um das Le Grand-Thema, allerdings mit einer Besonderheit. Während die leeren Zellen der zweiten Spalte in I) mit jeweils B respektive A ausgefüllt waren, so taucht hier an diesen Stellen der Zug C auf; der gleiche Zug, der in der dritten Variante als Matt auf die Parade x folgt. (SLESARENKO nennt dies in seinem Aufsatz "Some new forms of the Le Grand Theme" Burmistrov-Kombination nach dem vermutlichen Erstdarsteller; siehe Probleemblad Jan./Feb. 2000, S. 17.) Die Dachvariante wurde in die Drohung integriert, mit dem Ergebnis, daß der Überraschungseffekt, wie wir ihn in I) gesehen haben, etwas abgemildert wird. Es ist zwar möglich, sie als Variante des reellen Spiels erscheinen zu lassen, allerdings auf Kosten zusätzlicher Steine und einer unübersichtlichen Stellung. Man beachte, wie die schwarzen Verteidigungen dualvermeidend im ersten Zug gleichzeitig eines der beiden Themamatts Ld6# und Lf6# überdecken und so nur das andere Matt nach 2...f:e4 zulassen. Die Variante 1...f:e4 2.Sb4 greift das Motiv der Differenzierung beider Themazüge nochmals auf und wirkt dadurch (im Gegensatz zur Variante 1...d:e5 2.Lc4+ in I) bereichernd. (Lösung: 1.S:c3? T:c3!, 1.L:c6? S:c6!, 1.Le7! (2.Kg5 (3.Ld6,Lf6#), 2...f:e4 3.Tf5#), 1...Td2 2.S:c3 (3.T:f5#), 2...f:e4 3.Lf6#, 1...S:d7 2.L:c6 (3.T:f5#), 2...f:e4 3.Ld6#, 1...f:e4 2.Sb4 S:d7/Td2 3.Ld6/Lf6#) In Aufgabe III) erscheint der Dombrovskis-Effekt ohne weitere Buchstabenelemente in der zweiten Spalte des o.a. Schemas. Das soll aber nicht heißen, daß diese Darstellung weniger interessant ist. Das Satzspiel *1...d:c5 2.D:e5# fällt auf, und deutet gleichzeitig auf die schwarze Themaparade hin. 1.Th4 mit der Aufgabe dieses Matts dürfte der Löser daher recht spät als Schlüssel in Betracht ziehen, und er wird sich wahrscheinlich zuerst auf die Proben 1.Se8/Sf5? Sb5/Sc8! einlassen. In der Lösung tauchen die Probespiele vertauscht nach den schwarzen Springerparaden auf: Kontrawechsel oder Banny. Nach 2...d:c5 bleibt dem Weißem mit dem Sa4 nur das Matt auf c3 oder b6, da Schwarz mit seinen Verteidigungen jeweils das andere potentielle Mattfeld überdeckt hat (ein ähnlicher Dreizüger-spezifischer Dualvermeidungsmechanismus wie in II). Die "Starvariante" mit der Doppeldrohung erscheint nach 1...S:h4(f4) 2.Df2! d:c5 3.D:c5#. Dies ist - das Satzspiel eingeschlossen - der vierte Mattwechsel nach 2...d:c5. Natürlich muß man sich auch hier um die thematische Parade im ersten Zug kümmern: 1...d:c5 2.Sf5 (droht auch doppelt 3.Sc3# und Sb6#), 2...c4 (Entblockung und Selbstblock) 3.Le4#. (Lösung: * 1...d:c5 2.D:e5#, 1.Se8? (2.Sc7#), 1...Sb5!, 1.Sf5? (2.Se7#), 1...Sc8!, 1.Th4! (2.Td4+ e:d4 3.D:d6#), 1...Sc8 2.Se8 (3.Sc7#), 2...d:c5 3.Sc3#, 1...Sb5 2.Sf5 (3.Se7#), 2...d:c5 3.Sb6#, 1...S:h4,Sf4 2.Df2 (3.Sc3,Sb6#), 2...d:c5 3.D:c5#; 2...e4 3.Dd4#, 1...d:c5 2.Sf5 c4 3.Le4#)
  Schlüssel und Drohung in Aufgabe IV) sind elementar (Vorkehrung gegen 1...d:e5), die Aufgabe entfaltet ihr Leben nach den schwarzen Verteidigungen. Während in den Aufgaben II) und III) die Dualvermeidungen durch schwarze Züge hervorgerufen wurden, sind es hier die zweiten weißen Züge, die dies bewirken: 2.f3 (nach 1...Dh6) sowie 2.Lc6 (nach 1...Sb5) blocken eines der beiden potentiellen Mattfelder des wSe5. (Die Idee, die zweiten weißen Züge durch einen wLe4 ausführen zu lassen (2.Lf3 und 2.Lc6), war leider nicht zu realisieren.) Der schwarze Kernzug c4 ist diesmal unaufdringlich und führt zu keiner weißen Schädigung, wie in den vorangegangenen Beispielen. Der Mattzug 3.D:a7# in der Dachvariante 1...S:e8 2.Sb2! c4 ist sicherlich nicht auf den ersten Blick zu sehen. Interessanterweise gibt es hier mit 2.Sb6? (droht wie 2.Sb2! doppelt 3.Sf3,Sc6#) eine Verführung, die durch 2...c4! entsprechend dem "echten" Dombrovskis widerlegt wird. Denn nun ist das überraschende 3.D:a7# aufgrund der Verstellung der Diagonalen a7-d4 nicht möglich. Eine nette Zugabe ist der Mattwechsel 2...d:e5 3.D:e5# in den Varianten 1...Dh6,Sb5 gegenüber 2...d:e5 3.D:c5# in der Variante 1...S:e8. (Lösung: 1.De7! (2.D:d6+ Sd5 3.D:c5,D:d5#), 1...Dh6 2.f3 ~/d:e5/c4 3.T:d3/D:c5/Sc6#, 1...Sb5 2.Lc6 ~/d:e5/c4 3.T:d3/D:c5/Sf3#, 1...S:e8 2.Sb2 {2.Sb6? c4!}, 2...~/d:e5/c4 3.Sf3,Sc6/D:e5/D:a7#) Bemerkenswert an Aufgabe V) ist, daß der schwarze Themazug in der Diagrammstellung noch garnicht vorhanden ist; er wird erst durch die schwarzen Verteidigungen im ersten Zug ermöglicht! Auch hier ist der Schlüssel 1.Df3 offensichtlich (die drohende Sperre 1...g2 sieht zu stark aus), doch die nachfolgenden taktischen Elemente kompensieren diese Schwäche. Nach einem beliebigen Zug des sLb4 (d.h. nach e1 und d2) geht 2.Sg6 (droht 3.Se7#), 2...T:e4 (der Kernzug!) 3.Dg4#. Schwarz verteidigt fortgesetzt mit 1...Lc5!? mit der Folge 2.Lc8! (2...Tc~ ist wirkungslos, und 2.Sg6? d5!), 2...T:e4 3.Dh5#. T:e4 gibt dem sK im Prinzip zwei Fluchten; zum einen decken jedoch die zweiten weißen Züge eines der Felder e5 und e6, zum anderen übernimmt die wD mit ihrem Mattzug die Deckung des übriggebliebenen Feldes. Nur was passiert nach 1...Lc3!? (2.Sg6? Le5!, 2.Lc8? Tc4!): 2.L:d3! (möglich durch Verstellung des sTa3), droht nun doppelt 3.Dg4#, Dh5#, und zum letzten Mal wiederholt sich unser Grundmotiv: die Parade 2...T:e4 verhindert beide Züge, die sie soeben gerade noch ermöglichte; in diesem Fall verschafft sich die wD die Herrschaft über die Felder e5 und e6 durch den plumpen Wegschlag ihres Kontrahenden: 3.D:e4#. Durch die Logik der fortgesetzten Verteidigungen dürfte der ideale Fall eintreten, daß der Löser die Autorintention Schritt für Schritt mitverfolgt und er die „krönende“ Variante 1...Lc3 2.L:d3! erst zuletzt entdeckt. Lösung: 1.Df3! (2.Sd4+ S:d4 3.D:f4#), 1...Lb~ 2.Sg6! (3.Se7#), 2...T:e4 3.Dg4# (3.Dh5?), 1...Lc5!? (2.Sg6? d5!) 2.Lc8! (3.e7#), 2...T:e4 3.Dh5# (3.Dg4?), 1...Lc3!? (2.Sg6? Le5!, 2.Lc8? Tc4!) 2.L:d3! (3.Dg4,Dh5#), 2...T:e4 3.D:e4#, 1...d:c2 2.L:e2 ~ 3.D:f4#)
Dieser kleine Einblick in die aktuelle Werkstattarbeit sollte zeigen, wie sich durch die Verdichtung auf eine einzige schwarze Themaparade der paradoxe Dombrovskis-Effekt auf eine neue Art ausgestalten läßt. Auch die – im 2# längst modisch gewordene – thematische Verwendung einer Doppeldrohung scheint im 3# noch sehr ausbaufähig zu sein. 
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