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WECHSELSEITIGE DREIFACHE BLOCKPUNKTE IM LOGISCH-ORTHODOXEN DREIZÜGER von Thorsten Zirkwitz in memoriam Siegfried Brehmer
Der hier gezeigte Mechanismus war so stimmig, daß in den folgenden Jahrzehnten drei andere Komponisten auf ihn stießen. Alle drei Darstellungen zeigen dasselbe Drohspiel bestehend aus einem Räumungsopfer des Deckungsspringers und nachfolgendem Matt des Probespielläufers. Die Verteidigungen führen zum potentiellen Deckungsverlust des noch vom Springer überdeckten Feldes (Schlüssel 1a)1.g3 - 1b)1.Lf5 - 1c)1.Lc5). An die wunderschöne stille Drohung des Brehmerschen Originals hatte keiner der drei Komponisten gedacht.
Die bekannteste der drei Nachahmungen dürfte die schon oben erwähnte 1a von Julius Buchwald sein, die jedoch mit 1.T:c6 nebenlösig ist. {Anmerkung: Unverständlicherweise plagiierte Buchwald dieses Problem anläßlich des 73. Thematurniers von Probleemblad 1948 (3. Pr.), in dem "Weiße Züge auf dasselbe Feld" verlangt wurden. Ich verzichte auf die Widergabe des Selbstplagiats, das zudem mehrfach nebenlösig war.} Es ist unwahrscheinlich, daß Buchwald (1909 -1970) von der Existenz des Brehmerschen Problems wußte. Auch Rudenko konnte seinerzeit nicht auf Problemschachliteratur zurückgreifen, in der entweder Brehmers Problem oder Buchwalds Version nachgedruckt wurden. Immerhin verzichtete er darauf, seine Version in der bahnbrechenden Monographie "Presledowanie temy" (Moskau 1983) zu zitieren. Er bespricht vielmehr Buchwalds Aufgabe im problemtheoretischen ersten Teil des Buches. Man kann nur spekulieren, warum Rudenkos Darstellung ins FIDE-Album 1959-61 gelangte, das 1966 erschien. Die zuständigen Richter Matthews - Dombrowskis - Drese (Direktor: Cor Goldschmeding) kannten Brehmers Darstellung sicher nicht (wenn doch, hätten sie argumentieren können, daß die inkorrekte Aufgabe - so wie sie 1949 in der Schwalbe nachgedruckt wurde - als nicht existent anzusehen ist). Buchwalds Aufgabe wurde wohl erst mit Erscheinen des "Retro"-Albums 1914-44 im Jahre 1972 bekannt. Und Matthews - als Kenner der angelsächsischen Problemszene - begann erst Anfang der vierziger Jahre ernsthaft zu komponieren. Gänzlich unverständlich ist jedoch "der Fall Dimitrow". {Anmerkung: In seiner Version scheitert übrigens die thematische Probe 1.Se7? neben 1.- T:g4 auch an 1.- c5!} Vielleicht mag man dem Bulgaren eine gewisse Vorgängerblindheit zugestehen. Was aber bewog die erfahrenen Auswahlrichter (Goldschmeding - Chicco - Chlubna, Direktor: Nikolai Dimitrow) des FIDE-Albums 1977-79, seine Aufgabe zu berücksichtigen? Gerade Goldschmeding hätte zumindest in Kenntnis der Rudenko-Aufgabe - er war seinerzeit Auswahldirektor - Dimitrows Kopie disqualifizieren müssen.
Aufgabe 3 des kaum bekannten Russen ähnelt in gewisser Weise dem Brehmerschen Mechanismus. Immerhin verlagerte er den weißen Blockpunkt auf ein dem schwarzen König entferntes Feld. Nach 1.Lf7? pariert nicht etwa auch 1.- Td3 mit der dualistischen Folge 2.S:g4, Sf5. Preisrichter W. Karpow: "[das Problem] von W. Gladkich habe ich ganz außer Acht gelassen, da hier der erste Zug bei einem flüchtigen Blick auf die Stellung sofort klar ist." Hinzu kommt, daß der Lg1 im weiteren Verlauf nachtwächtert.
Die Anfängerarbeit 4 ist insofern interessant, als hier eine von den bisher gezeigten Beispielen differente Verzahnung des weißen und schwarzen Blockpunkts gefunden wurde. Die Kurzdrohung ist schwach, die wD hat kein thematisches Gewicht. Natürlich kannte der Autor damals nicht die einschlägigen Vorarbeiten.
Der Aufsatz verfolgt zwei Ziele. Zum einen geht es dem Autor um eine endlich festgeschriebene Klärung der eigentlich nur unter Experten kursierenden Hintergründe des Brehmerschen Klassikers und seinen in den FIDE-Alben zitierten Reproduktionen. Zum anderen sollen durch die gezeigten Beispiele Komponisten angeregt werden, nach weiteren Mechanismen des wechselseitigen dreifachen Blockpunkts zu suchen. Als Ausgangspunkte mögen Probleme 2, 3 und 4 dienen, die sicherlich noch ausbaufähig sind (denkbar wäre die durchgängige Einarbeitung schwarzer Ersatzverteidigungen im zweiten Zug, wie z.B. in der Variante 1.- L:g3 2.L:e6 Sd4 3.Ld5# des Brehmerschen Originals). Ferner harrt der in der letzten Anmerkung erwähnte Umwandlungsmechanismus noch der Darstellung. Mein Dank gilt Wieland Bruch, der mich mit wertvollen Hintergrundinformationen zu Brehmers Problem versorgte und mir erlaubte, aus dem erst kürzlich erschienen Brehmer-Buch zu zitieren. Man kann die Sammlung ausgewählter Aufgaben des Potsdamer Komponisten nur empfehlen, hatte er doch mit seinen Werken einen nicht unerheblichen Anteil an einem spannenden Kapitel der Problemgeschichte. | ||