"Zahnloser Hahn"
Zur Konstruktion des Wicca-Kults von Oliver "Ohahnecian"

"Neben Idealen der postmodernen Kultur finden sich (im Wicca-Kult) gleichermaßen höchst reaktionäre Elemente wie etwa Blut-und-Boden-Fantasien oder die Verwendung undifferenzierter Feindbilder. 196 Seiten, kartoniert
, Preis: EUR 14.80 ."

So wirbt der christliche EB-Verlag auf seiner homepage für das Schmähbüchlein "Wer Hexe ist, bestimme ich" von "Oliver Ohahnecian" alias "Uhanek" alias Oliver Henze - neben Titeln wie "Wiederentdeckung einer missionarischen Kirche" oder "Das Leben des Ansgar".
Dabei ist der Titel des Büchleins gar nicht einmal schlecht gewählt, denn wer Hexe ist, bestimmt dort in der Tat Oliver "Ohnezahn" (um den vielen Pseudonymen gleich noch ein weiteres hinzuzufügen).
Äußerst freizügig gibt sich der Autor, wenn es darum geht, den Wiccas irgendwelche Ansichten anzudichten. Zum Beispiel die Ansicht, beim Wicca-Kult handele es sich nicht um einen modernen naturreligiösen Kult, der in den 1950-er Jahren seinen Anfang nahm, sondern um eine Religion, die in ihrer Kontinuität bis in die Steinzeit zurückreiche.
Dass er die Falschheit dieser im wesentlichen papistischen Argumentationsweise1 mithilfe des britischen Autors Ronald Hutton ("The Triumph of the Moon") zu belegen sucht, zeigt, wie wenig er wirklich in die Szene der initiierten Wiccas hat eindringen können. Denn immerhin ist Ronald Hutton einer der prominenteren Vertreter der Wiccas in Großbritannien, gleichermaßen beliebt und geschätzt von denen "drüben" wie auch hier in Deutschland. Hutton bestätigt mit seinen Forschungsergebnissen die durchaus schon zuvor herrschende Ansicht der initiierten Wiccas in Deutschland, dass es eben keine Kontinuität dieses modernen Kultes bis in die Vorzeit gebe.

Olivers Kreuzzug gegen die Wiccas nahm denn auch ihren Anfang, als seine Anfrage bezüglich Initiation in den Wicca-Kult abgelehnt wurde. Und dies, obwohl er immer wieder darauf hingewiesen hatte, einer so genannten "Familientradition" aus den Karpaten anzugehören. Das allerdings nahmen ihm nur die Wenigsten ab, was ihm den Spottnamen "Karpaten-Oli" eintrug. Denn was er in diesem Zusammenhang als "altes Wissen seiner Familie" zu verkaufen suchte, war schon auf den ersten Blick als eine flache Mixtur allerhand moderner esoterischer Versatzstücke entlarvt.

Nun tauchte Olivers Kreuzzug wieder einmal auf, diesmal im "Göttinger Tageblatt" vom 29.3.2006.
Und hier überrascht er uns tatsächlich einmal. Denn hier behauptet er, "als Kind von seiner schlesischen Großmutter mit volksmagischen Vorstellungen vertraut gemacht worden" zu sein. Und wer im Fach "Erdkunde" so schlecht war, wie ich, der weiß, dass Schlesien in den Karpaten liegt (oder liegen die Karpaten in Schlesien?).
Wie dem auch sei: er offenbart uns noch etwas viel Interessanteres: "Nach Wicca-Einschätzung", so heißt es in dem Artikel nämlich weiter, "stammte Ohahnecian somit aus einer Hexenfamilie."

Die Wiccas, so meint er hier also, hätten gedacht oder behauptet, er stamme aus einer "Hexenfamilie".
Aber da kann er sich ganz entspannt zurücklehnen - die Wiccas dachten das nie. Und hätte er selbst nicht immer wieder versucht, dieses Märchen glaubhaft machen zu wollen, wer weiß, vielleicht würde er heute zu den Wiccas gehören.
Aber er ist ja, so heißt es in dem Artikel weiter, "als praktizierender Buddhist der tibetischen Tradition mit Tantrismus vertraut". Vielleicht ganz authentisch, mit einem Lehrer aus der "Hohen Tantra"...

1Es ist die Argumentationsweise, die der Papst der katholischen Kirche benötigt, um seine Machtposition als "erster Bischof unter den Bischöfen" rechtfertigen zu können; indem er eine kontinuierliche Linie zu Petrus als dem ersten Bischof von Rom konstruiert, was wissenschaftlich jedoch in keiner Weise haltbar ist. Die Wiccas von heute dagegen leben eine authentische moderne Religion und haben solcherlei Winkelzüge gar nicht nötig.

zum Artikel im "Göttinger Tageblatt" (als .pdf)

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