Europa-Christkämpfer gegen Pluralismus -
Gegen den Protest der Juden und Muslime in Deutschland hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ihr
"Bündnis für Erziehung"
ausschließlich mit "den beiden großen christlichen
Kirchen" gestartet. Inhaltlich ist das Projekt eine leere
Hülse. Denn was als "christliche Werte" verkauft wird sind letztlich die Werte
einer abendländischen Kultur, die ihre Wurzeln in der heidnischen Antike hat,
aber auch in der Aufklärung und der Emanzipationsbewegung der französischen
Revolution - mithin in Denktraditionen, gegen die nicht zuletzt die katholische
Kirche massiv Front gemacht hatte.
Zentrales Thema des Kongresses in Rom, der am 30.3.2006 begann, war die
Diskussion über "europäischer Werte". Pikant ist das Ganze darüber hinaus dadurch, dass
sich die christlichen Kirchen auf der einen Seite die Juden und Muslime ins Boot holen
wollen, um mit ihnen gemeinsam eine Art "Monotheistische Front" zu
begründen.
offensive christliche Lobbypolitik durch von der Leyen.
Andere Religionsgemeinschaften (und Familienverbände) sollen
erst später zum Dialog geladen werden.
Bei der Regierungsoffensive gehe es darum, Grundlagen für Erziehung im Kindergarten und in der
frühkindlichen Bildung auf der Basis christlicher Werte zu erarbeiten.
Die Behauptung, diese europäischen Werte seien ursächlich christlich, gehört zur
kirchlichen Propagandamaschinerie, die man bereits im Hinblick auf die
Verfassung der Europäischen Union in Gang gesetzt hatte. Dort war man aber an
Giscard d'Estaign und den Franzosen zunächst einmal gescheitert.
Nun versucht der Vorsitzende der europäischen Mitte-Rechts-Partei EVP, Wilfried Martens erneut eine Offensive
für den "Gott der Union": So beklagte er laut Meldung vom 29.3.2006
auf den Studientagen der EVP in Rom die Tatsache, dass es "nicht einen einzigen Bezug zu Gott" in der Verfassung gebe. Dies könne nicht akzeptiert werden. Martens weiter: "Wir sollten unser Anliegen wieder neu in die Diskussion einbringen, um Gott wieder zurück in die Verfassung zu bekommen."
Was also von der Leyen scheinheilig als innerdeutsche Bildungsdebatte auf der
öffentlichen Bühne tanzen lässt, ist nichts anderes, als Teil einer organisierten
europäischen Mitte-Rechts-Strategie, um den Bürgern die altbekannte
Leitkultur-Debatte wieder aufzudrücken.
Wie es aber schon immer in der Geschichte der christlichen Kirchen war: Das
Hemd war immer näher als die Hose. Und wenn es um Macht geht, wird der "heilige
Sankt Martin" in die Wüste geschickt. Geteilt wird da nichts.