Sozial-, Preis- und Umweltdumping bei LIDL
Das globalisierungskritische Netzwerk Attac, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche
Landwirtschaft (AbL), die Fair-Handelsorganisation BanaFair und die NGO Weed
haben ihre Kritik am Discounter Lidl bekräftigt und weitreichende
Änderungen bei Einkaufspolitik und Arbeitsbedingungen des Konzerns gefordert.
Beim „Unternehmertag Lebensmittel“ am 14.3. in Köln spannten sie ein Transparent
mit dem Slogan „An globalen sozialen Rechten führt kein Weg vorbei!“ auf.
Am Rande der Veranstaltung war geplant, rund 12.000 Unterschriften und
Postkarten an den Lidl-Kommanditisten Richard Lohmiller zu übergeben, doch
dieser hat den Termin kurzfristig und ohne Angabe von Gründen absagen lassen.
„Sozial-, Preis- und Umweltdumping führt in die Sackgasse -
vor dieser Tatsache darf sich Lidl nicht verstecken“, sagte Jutta Sundermann vom
globalisierungskritischen Netzwerk Attac. Attac hatte im vergangenen August eine
Kampagne gegen Lidl gestartet und seitdem in mehr als 50 Städten vor Filialen
protestiert. Sundermann: „Die Geheimniskrämerei, die Lidl um die Herkunft der
Produkte betreibt, verhindert bewusste Kaufentscheidungen.“ Als nächster Schritt
sollen Verbraucherinnen und Verbraucher unter dem Motto „Geist ist geiler!“ über
Alternativen zum Billig-Wahn der Discounter und Handlungsmöglichkeiten
aufgeklärt werden.
In einem Gespräch mit Attac, AbL und BanaFair kündigte Lidl-Geschäftsführer
Klaus Gehrig mittlerweile an, die Aufnahme von Produkten aus fairem Handel und
biologischem Anbau ins Sortiment zu prüfen, während er Forderungen nach mehr
Informationen über die Herkunft der Lidl-Produkte sowie nach besseren Rechten
für die Angestellten zurückwies.
Die Organisationen halten die bisherigen Ankündigungen jedoch überwiegend für
Kosmetik. „Die Discounter sind mitverantwortlich für die miesen
Arbeitsbedingungen auf den Bananenplantagen. Diese Verantwortung lässt sich
nicht mit einigen wenigen fair gehandelten Bananen neben vielen Früchten aus
Billig-Produktion beiseite schieben“, sagte Bettina Burkert von BanaFair.
Notwendig sei eine veränderte Beschaffungspolitik für das ganze Sortiment.
Zum Thema Milchpreise kritisierte Sonja Korspeter von der AbL: „Als starker
Marktteilnehmer ist Lidl mitverantwortlich dafür, dass Milch unter den
Produktionskosten verkauft wird und immer mehr Höfe aufgeben müssen.“ Diese
Einkaufspolitik könnten die Bauern nicht länger akzeptieren, so Korspeter: „Wenn
die Dumping-Politik der Molkereien und der Supermärkte weiterläuft wie bisher,
sehen sich die Bauern gezwungen, den Hahn zuzudrehen, bis faire Preise erreicht
sind. Lidl hat die Möglichkeit, diesen Milchstreik abzuwenden.“
Mit der Aktion beim „Unternehmertag Lebensmittel“ wollen die Organisationen auch
andere Handelskonzerne auffordern, soziale Rechte zu achten. „Lidl ist das
Zugpferd der 'Discountierung', doch die 'Hauptsache-billig-Strategie' setzt sich
zunehmend im gesamten Einzelhandel durch - auf Kosten der Beschäftigten hier und
in den globalen Zulieferketten“, sagte Sarah Bormann, Mitarbeiterin bei Weed.