Katholiken und Protestanten werben wieder:
"Menschsein beginnt
vor der Geburt" - "Woche für das Leben"
Bis zum 6.Mai führen katholische und
evangelische Kirche die alljährliche Werbewoche unter dem Motto "Woche für das
Leben" durch. Immer noch geht es um die Botschaft, die vor Jahr und Tag mit der
§-218-Debatte begann: damals reagierte die katholische Kirche mit der unseligen Plakat-Aktion einer Embryo-Abbildung mit der Bildunterschrift "Laß mich leben",
in der sie - um ihrer christlichen Wahrheit willen und erfüllt von Nächstenliebe
- Frauen, die abtreiben mussten, als Mörderinnen beschimpften und vielen von
ihnen die Hölle bereits auf Erden bescherten.
"Abtreibung ist Mord" ist
auch heute noch die Botschaft, die dahintersteht,
und die von zahlreichen kirchennahen Organisationen (so z.B. dem sogenannten Missionswerk Werner Heukelbach),
die auch die diesjährige Kampagne unterstützen, offen propagiert wird.
Da die "Bereitschaft zu Kindern" bei Männern deutlich niedriger sei, als bei Frauen, argumentiert EKD-Ratsvorsitzender Bischof Huber laut epd: "Die Schwierigkeiten, eine feste Arbeitsstelle und ein sicheres Einkommen zu finden, verhinderten oft die Familiengründung. Solche "ernst zu nehmenden Sorgen" dürften Männer jedoch nicht am "Glück einer Vaterschaft" hindern. Alle hätten zudem die Aufgabe, "einer Schwangeren dabei zu helfen, dass sie zu dem in ihr wachsenden Kind Ja sagen kann".
Auf gut Deutsch also hieße das: Auch "ernst zu
nehmende Sorgen"/Argumente dürfen für Männer keine Geltung für eine
Entscheidung gegen ein Kind mehr haben. Und: alle
sollen auf Frauen, so sie schwanger sind, manipulierend einwirken, sich für
die Geburt zu entscheiden.
Auf die Ursachen, die es gerade in Deutschland
so fraglich sein lassen, sich für ein Kind zu entscheiden, gingen weder die
katholische noch die evangelische Kirche ein. Offenbar setzt man ganz auf die
"Kraft christlicher Propaganda". Die sich ja erwiesenermaßen
nicht darin erschöpft, gegen Abtreibung zu plädieren, sondern darauf
hinausläuft, den Frauen ihr Selbstbestimmungsrecht, ihr Recht also auf
ihre persönliche Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung, zu nehmen.
"Blick zurück im Zorn": ein Fall aus dem Jahr 2003