|
| | SRKV | |
| Schweizerischer Rassenkaninchenzucht Verband |
| c/o Armin Wyss |
| Sonnenau 125 a |
| 9108 Gonten |
| Tel 071 794 12 17 |
|
| |
| Webmaster |
| |
|
|
Darmlähmung – Mukoide Enteritis
Sanierungsstrategie für Kaninchen-bestände durch Therapie, Impfung und Selektion
Seit
der dramatischen Ausbreitung dieser hoch ansteckenden Krankheit haben
die Züchter, gelernt die Krankheitssymptome zu erkennen und haben durch
Fotos, Einsendungen und Sanierungsversuche ihren Beitrag zur
Untersuchung der Ursachen geleistet.
Die
Darmlähmung (vielfach auch Enterocolitis genannt) zeigt sich durch:
Blähbauch, Zähneknirschen, Verstopfung mit Verhärtungen im Dickdarm,
Gluckern beim Schütteln der Tiere und Ausscheiden eines gallertartigen
Schleimes. Den Grund sehen wir beim Öffnen des Kaninchens (vgl.
Abbildung 1): Die normale Darmbewegung hat aufgehört. Ein mehr oder
weniger langes Stück des Darmes ist gelähmt, der Blinddarm, der
Dickdarm, manchmal auch der Dünndarm. Je länger das gelähmte Stück ist,
desto weniger Chancen hat das Kaninchen zu genesen.
Abbildung 1
Die
Darmlähmung bleibt nach dem ersten akuten Ausbruch im Bestand als
chronische Erkrankung. Die Erreger bilden zudem Sporen, die sehr lange
in der Umgebung überleben. Krankheits-ausbrüche sind im Frühjahr und
Herbst am häufigsten.
|

Abbildung 2
Wir
betrachten Clostridium perfringens als Haupterreger der Darmlähmung,
weil er bei akutem und septischem Verlauf immer isoliert wird, weil
gegen Clostridien wirksame Antibiotika die Krankheit zum Stillstand
bringen, und nicht zuletzt, weil Impfungen gegen Clostridien in
Betrieben, die das versucht haben, einen guten Beitrag zum Schutz vor
den Erkrankungen geleistet haben.
Die
Entstehung der Darmlähmung hat Versuchen zufolge, mit dem alpha-Toxin
der Clostridien zu tun, welches im Auftrag des ZDK näher untersucht
wird.
Wirtschaftliche Bedeutung
|
|
Sanierung
Um an diesem Punkt die Zucht nicht aufzugeben, muss ein Sanierungs-programm eingeleitet werden. Die drei Pfeiler der Sanierung sind:
A die Therapie
B die Impfung
C die Selektion
A Therapie
Antibiotika
werden nie vorbeugend, sondern nur zur Therapie eingesetzt. Wenn ein
oder zwei Tiere eines Bestandes erkranken, dann gilt der gesamte
Bestand als infiziert und muss behandelt werden. Die Behandlung erfolgt
nach Indikation z.B. 21 Tage (Pulmotil) oder 14 Tage (Colistinsulfat)
und es darf nicht unterdosiert werden. Verfehlt wäre z.B. die
Behandlung einmal in der Woche, denn damit werden resistente Keime
selektiert.
|
eine gezielte Therapie zur vollständigen Genesung
führen. Bei Darmerkrankungen ist es möglich, muss aber regelmäßig
überprüft werden, denn Rezidiven sind häufig, besonders bei Erregern
wie Escherichia coli, die lange im Staub überleben und Clostridium
perfringens, der Sporen bildet.
Nicht
sinnvoll ist die Behandlung von Schnupfen (Pasteurella multocida u.a.
Pasteurellen sowie Bordetella bronchi-septica und Staphylococcus
aureus). Die Gründe hierfür liegen in der komplizierten Anatomie der
Nasennebenhöhlen. Auch nicht sinnvoll ist die Therapie der S.
aureus-Infektion der Milchleiste (Mastitis) sowie der Gebärmutter und
der Läufe. Warum nicht? Bei beiden Erkrankungen besteht die Gefahr der
Infektion des Geschlechtspartners. und eine
voll-ständige Heilung kann nicht erreicht werden. Ein krankes Tier
nicht zu behandeln, sondern sterben zu lassen, wäre Tierquälerei!
B Impfung
Ziel
der Impfung ist es, das Kaninchen immun (unangreifbar) gegen den
Erreger zu machen. Dabei ist die Immunität eine Leistung des Tieres
selber, es produziert nämlich Antikörper, die den Erreger binden.
Der
Impfschutz dauert mehrere Monate und flaut dann langsam ab. Bei jedem
erneuten Kontakt mit dem Erreger baut er sich aber schnell wieder auf.
So kommt es, dass ältere Tiere selten erkranken.
Impfprogramm: In Kurzform zunächst die drei wesentlichen Zeitpunkte für eine Impfung:
· vor dem Decken
· vor dem Absetzen
· vor dem Ausstellen
Die
Impfung der Häsin einige Tage vor dem Decken bewirkt nicht nur die
aktive Immunisierung des Muttertieres (ihre Eigenleistung) sondern auch
die passive Immunisierung der Neugeborenen denn sie bekommen die
Antikörper von der Mutter durch die Placenta und im Kollostrum. Das
Neugeborene kann die mütterlichen Antikörper nur in den ersten zwei
Tagen seines Lebens durch den Darm adsorbieren. Geschützt wird der
kleine Organismus einige Wochen, dann sind die mütterlichen
|
|
Antikörper
abgebaut und das Jungtier muss selbst geimpft werden um sich aktiv zu
immunisieren. Die erste Impfung der Jungkaninchen erfolgt im Alter von
25 Tagen (½ Dosis), die zweite Impfung im Alter von 45 Tagen (1 Dosis).
Der
Ausstellungsstress lässt im latent infizierten Tier die Krankheit
leicht ausbrechen. Zur Vorbereitung der Tiere für die Ausstellung
gehört die Impfung ebenso, wie die Behandlung der Bestandsinfektionen -
auch aus Verantwortung gegenüber den Mitausstellern.
Was geschieht im Tier nach der Impfung?
Durch die Injektion unter die Haut wird eine winzige Entzündung
erzeugt, der die ersten weissen Blutzellen, die grossen Fresszellen
„Makrophagen“ anlockt. Sie stopfen das „Antigen“ ( die abgetöteten
Bakterien und Toxine) in ihre Mägen „Lysosomen“ genannt (von lysieren =
auflösen). Sie eilen dann in den nächsten Lymphknoten, wo sie die
zerstückelten Antigene wieder ausspucken und auf ihre langen Fangarme
kleben.

Abbildung 4
Die
legen sie um die T-Lymphozyten (T von Thymus, wo sie gelernt haben, zu
unterscheiden, was zum Körper gehört und was „fremd“ ist.) Jetzt
rufen sie die B-Lymphozyten: „Wer von euch ist für dieses
Antigenstückchen zuständig?“ „Ich“ ruft ein B-Lymphozyt, denn jeder von
ihnen ist nur für nur ein
|
Antigenstückchen zuständig und macht nur einen Antikörper. Dieser B-Lymphozyt wird nun von T-Lymphozyt stimuliert, vermehrt, aufgepäppelt, bis er eine erwachsene „Plasmazelle“ geworden ist, die
ihren Antikörper in großen Mengen produziert. Für jedes
Antigenbruchstück wird je ein B-Lymphozyt je ein Antikörper herstellen.
Ins Fleisch gelangen nur ein paar Antikörper, die das Kaninchen selber (d.h. sein Lymphozyt) hergestellt hat – Wartezeit: keine.
C. Selektion
Inspektion: Rasch erkennbar sind Veränderungen an Nase, Augen, Ohren, Fell, Ernährungszustand und Kotablage. Schmerzen mit
Ursache im Verdauungs-trakt lassen sich leichter erkennen als solche
der Gebärmutter. Die schlimmsten Schmerzen erfährt die Häsin bei
Entzündung der Milchleiste, die man ertastet.
Bei der Vorbereitung der Zuchtperiode im
Winter ist die Selektion der Zuchttiere die erste Massnahme. Zugelassen
werden nur Junghäsinnen aus gesunden Würfen und Muttertiere, deren
Würfe gesund geblieben sind. Häsinnen und Rammler mit Entzündungen der
Atemwege, des Darmtrakts , der Haut und des Gesäuges sind von der Zucht
auszuschliessen.
Kotuntersuchung: Bei einer derart ansteckenden Krankheit ist die „natürliche Selektion“ nicht angebracht. Die bei einer kräftigen „Durchseuchung“ übrig gebliebenen Kaninchen sind infiziert und zur Zucht ungeeignet. Zur Unterstützung der Auslese werden die Zuchttiere auf das Ausscheiden von E.coli und evtl. C.perfringens hin untersucht.
|
Wichtig ist diese Maßnahme im
Spätherbst, Dauerausscheider werden jedoch nur durch regelmässige
Untersuchung ermittelt. Dringend notwendig wäre die Entwicklung eines
serologischen Schnelltests, mit dem die Häsinnen auf Antikörper gegen das alpha-Toxin von C.perfringens untersucht werden könnten.
Vorbeugung im Winter nicht vernachlässigen
Wer im Winter nicht vorbeugt hat schlechte Karten. Die Vorbeugemass-nahmen im Winter haben folgende Ziele:
Diese
Massnahmen müssen durchgeführt werden ehe die Krankheit ausbricht.
Warum? Wenn die Clostridien sich im Darm vermehren bilden sie
Gifte-(Toxine), die sich auf bestimmten Stellen im Darm festsetzen -
ein paar heute, ein paar morgen - bis so viele akkumuliert sind, dass
der Darm gelähmt ist und die Krankheit ausbricht. Dann erst zu
therapieren und zu impfen wäre zu spät, weil die Toxine sehr fest
sitzen und es lange dauern kann, bis der Darm sich wieder bewegt.
Nach unseren bisherigen Unter-suchungen ist das alpha-Toxin an der Entstehung der Lähmung beteiligt:
· die kranken Kaninchen haben hohe Antikörpertiter gegen das alpha-Toxin und
· wir konnten mit dem alpha-Toxin am gesunden Darmstück die Lähmung erzeugen. |
Deshalb ist das Ziel der vom ZDK geförderten Forschung der Vergleich der alpha-Toxine unserer
Clostridienstämme, um festzustellen wie viele Varianten es bei uns
gibt. Im nächsten Schritt erfolgt die Entwicklung einer Toxoidvakzine,
die all diese Varianten enthält.
Dr. Gertrud Rossi
|
|

|
| powered by onsite.cms |
|