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Märchentour 2010 - Nach Helmstedt im Elm/Lappwald

Das Sommermärchen ging einfach weiter. Endlich mal ein Juli der den Namen auch verdient. Das Spiel der letzten Tage wiederholte sich. Die Sonne versuchte mich weich zu dünsten im eigenen Saft. Ich setzte Fahrtwind dagegen. Durch die großen Lüftungsöffnungen meiner Jacke strömte viel Frischluft an meinen Oberkörper, die den Schweiß sofort trocknete. Nur die Stiefel und die Handschuhe spielten da nicht ganz mit. Zum guten Wetter kam noch eine sehr gute Strecke mit den Höhepunkten Kyffhäuser und Harz.

Aber zunächst fuhr ich von Duderstadt in leicht südöstlicher Richtung über das Hochplateau des Eichsfeldes zwischen Harz und Werra nach Bad Frankenhausen. Somit war ich wieder in Thüringen gelandet. Auf den Landstraßen hatte ich weitestgehend freie Fahrt, die in der Nähe in die gleiche Richtung verlaufende A 38 saugt doch viel Verkehr auf. Die Fahrt über den Kyffhäuser von Bad Frankenhausen nach Kelbra muss einfach sein wenn man im Umkreis von 100 Kilometern ist. Bei schönem Wetter und wenn die Strecke nicht für ein Bergrennen gesperrt ist, ist das ein Highlight auf jeder meiner Touren in dieser Region. Die 36 Kehren sind nicht so spitz wie die Kehren oftmals in den Alpen sind. Dadurch kann man sie flüssiger Fahren. So macht es mir auch mehr Spaß. Viel zu schnell ging die Fahrt hoch auf den Gipfel und die Abfahrt über die Nordrampe vorbei, aber das nächste Highlight folgte sogleich.

Ich wollte den Harz diesmal in seiner vollen Ausdehnung genießen. Am Südrand dieses Mittelgebirges scarvte ich von Neustadt/Harz nach Westen bis nach Herzberg am Harz. Das war schon mal ganz schön aber es sollte noch viel besser kommen. Eine meiner Lieblingsstrecken im Harz ist die Fahrt im Siebertal von Herzberg hoch nach St. Andreasberg. Das Siebertal ist das letzte große, nicht von einer Talsperre verbaute Tal des Westharzes. Eine Besonderheit an der Sieber ist, dass sie in niederschlagsarmen Zeiten abschnittsweise "versinkt" in den verkarsteten Untergrund und ein Stück unterirdisch weiter fließt. In größerem Stil habe ich das recht eindrucksvoll an der Donau auf der schwäbischen Alb auf meiner Sommertour 2008 erlebt und hier darüber berichtet.

Von der ehemaligen Bergmannstadt und dem heutigem Kurort St. Andreasberg scarvte ich runter nach Oberhaus und in vielen Schwüngen wieder hoch nach Braunlage. Dann folgte ich ein kleines Stück der Harzhochstraße, der B 242, nach Osten. Kurz vor Sorge bog ich ab nach Norden um auf einer kurvigen Landstraße im Bergwald über Elend und Drei Annen runter nach Wernigerode an der Nordostflanke des Harzes zu fahren. Aber noch hatte ich lange nicht genug von den wunderschönen Motorradstrecken und der bezaubernden Landschaft des Harzes. Ich lenkte meine kleine BMW auf die B 244 und gewann auf ihr rasch an Höhe auf dem Weg nach Elbingerode. Über Rübeland ging es noch höher hinauf zur Rapbodetalsperre. Leider ist das Ufer dieses großen Stausees kaum zugänglich, so fuhr ich über die Staumauer weiter zur B 81 etwas südlich des Sees. Es folgte ein großer Kringel im Südosten, über Treseburg, Güntersberge, Harzgerode, Gernrode und Friedrichsbrunn steuerte ich den Hexentanzplatz hoch oben auf den Felsen über dem Bodetal bei Thale an.

Jedes Jahr in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai fliegen die Hexen auf Besen, Mistgabeln und Tieren als Fluggeräte aus allen Himmelsrichtungen herbei, um sich dann mit ihrem Herrn und Meister, dem Teufel, zu treffen und bis zum Morgengrauen ein rauschendes Fest zu feiern. Die Walpurgisnacht läutet den nordischen Sommer ein. Daher müssen die finsteren Gestalten rechtzeitig zum Morgengrauen verschwunden sein, um die Herrschaft an die Lichtgestalten abzugeben. Die Hexen versammeln sich vor der Feier zunächst auf dem Hexentanzplatz bei Thale und fliegen dann gemeinsam zum Blocksberg, dem Brocken, um sich dort mit dem Teufel zu vermählen. Die Walpurgisfeier selbst geht bereits auf germanische Ursprünge zurück. Auf dem Brocken tanzen der Sage nach alle Hexen in einem großen Kreis ums Feuer und küssen anschließend dem Teufel den Hintern. Dann lassen Sie sich mit dem Teufel vermählen und empfangen von ihm neue Zauberkräfte. So eine schaurige Sage lässt sich doch touristisch wunderbar vermarkten. Viele Imbiss- und Souvenierstände säumen die großen Felsbrocken rund um den Tanzplatz, auf denen die Hexen in Erzgestalt sitzen. Sogar eine Sommerrodelbahn wurde hier oben errichtet.

Von Thale fuhr ich an den Nordrand des Harzes nach Quedlenburg. Diese heutige Kleinstadt hat schon über 1000 Jahre das Stadtrecht, war zwei Jahrhunderte lang eine Königspfalz und fast 900 Jahre lang ein geistliches Zentrum von Deutschland. Quedlinburgs architektonisches Erbe steht seit 1994 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes und macht die Stadt zu einem der größten Flächendenkmale in Deutschland. In der historischen Altstadt befinden sich unter anderem 1200 Fachwerkhäuser aus 6 Jahrhunderten. Ich verließ den Harz endgültig und fuhr weiter im Harzvorland nach Norden.

Den nächsten Stopp legte ich an der Motorsportarena Oschersleben ein. Auf der 3,6 Km langen kurvenreichen Rennstrecke finden jedes Jahr Rennen der unterschiedlichsten nationalen und internationalen Rennserien statt. Aber irgendwie kam ich da nicht richtig rein in die Arena um einen Blick von der Tribüne auf die Rennstrecke zu werfen. Es war alles abgesperrt. So fuhr ich weiter rein nach Oschersleben. Im kühl klimatisierten Raum des Shops einer Tankstelle machte ich eine größere Pause. Wieder mit dem Standardpausenprogramm der Tour an Tankstellen wie Eistee und gefrorenen Handschuhen.

Das war auch meine letzte Pause des Tages. 40 Kilometer weiter erreichte ich Helmstedt, die ehemalige Grenzstadt an der innerdeutschen Grenze. Es war Freitagabend, vor einer kleinen Pension in der Stadt machte ich den Motor aus. Vor mir lag die letzte Übernachtung auf meiner Sommertour 2010.

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Märchentour 2010 - Nach Weding bei Flensburg

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