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Märchentour 2010 - Nach Duderstadt im Eichsfeld

Es sollte wieder ein wunderschöner Motorrad-Urlaubstag werden. Es wurde wie erwartet ein heißer Sommertag. Ich glaube, ich habe den ganzen Tag keine einzige Wolke gesehen.

Auf einem wunderschönen Umweg durch ein großes Waldgebiet erreichte ich Oberhof, das nordische Wintersportzentrum auf internationalem Weltniveau. So kurz nach dem Start machte ich aber nur eine kleine Pause um mir die Sprungschanzen am Kanzlersgrund anzusehen. Ich fuhr weiter entlang des Rennsteiges nach Südosten. Der Rennsteig verläuft entlang des Kammes des Mittelgebirges in 800-1000 m Höhe, im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald. Über Neustadt am Rennsteig gelangte ich zum Schwarzatal. Die Schwarza ist der goldreichste Fluss Deutschlands. In der Blütezeit der Goldgewinnung, die im 16. Jahrhundert lag, soll sich der Gesamtertrag auf vier Tonnen reines Gold belaufen haben. Das Schwarzatal kann, betrachtet man den Goldgehalt pro Tonne Abraum, durchaus mit den Goldfeldern Südafrikas mithalten. Zu der Zeit gab es auch Silber- und Kupferbergwerke im Schwarzatal. Heute trägt der Fremdenverkehr zum Wohlstand der Region bei. Nachdem ich dieses wildromantische Tal am Oberlauf der Schwarza verlassen hatte machte ich eine Pause beim Dreistromstein. Im Umkreis von 500 Metern entspringen im Schatten des Hochwaldes drei Wildbäche. Jeder fließt in eine andere Richtung. Der Dreistromstein ist ein dreiseitiger Obelisk, welcher seit 1906 die Wasserscheide von Weser, Elbe und Rhein im Thüringer Wald markiert. Der kegelförmig aufgemauerte Fuß des Obelisken wurde aus dem Gestein gefertigt, welches für das jeweilige Flusssystem typisch ist: Elbe: Granit; Weser: Grauwacke; Rhein: Quarz. Ihm gegenüber steht der Kleine Dreiherrenstein von 1733, welcher die Grenzen des Herzogtums Sachsen-Meiningen, des Herzogtums Sachsen-Hildburghausen und des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt markierte.

Um 11 Uhr war es dann so heiß geworden, dass ich meiner Jacke wieder die Sahara-Stellung verpasste. Da werden nicht nur die Lüftungsreißverschlüsse geöffnet. Man kann das Rückenteil und zwei große Teile an der Vorderseite herauszippen. Übrig bleiben an diesen Stellen zwei stabile Netze, die jede Menge Frischluft durchlassen. Die Klimamembrane war sowieso die ganze Reise über in meinem Koffer geblieben.

Ein Stücken weiter auf meinem Weg durch den Thüringer Wald, bei Sachsenbrunn, vereinigen sich die beiden Quellbäche der Werra. Ich folgte dem noch jungen Fluss zunächst ein kurzes Stück nach Südwesten und dann ein größeres Stück weiter nach Nordwesten parallel zum Rennsteig. Der erste größere Ort an der Werra ist Hildburghausen am Südrand des Thüringer Waldes. Die nächste größere Stadt an der Werra ist Meinigen. Aber da ich Stadtverkehr wenn es geht, grundsätzlich meide, verließ ich die Werra kurz vorher und setzte meinen Weg mehr in der Mitte des Thüringer Waldes fort. Über Schmalkalden, Bad Liebenstein, Brotterode und Tabarz scarvte ich nach Eisenach. Dieser Stadtverkehr ließ sich leider nicht vermeiden. Von Zella-Mehlis nach Schmalkalden wären es auf direktem Wege nur wenige Kilometer gewesen. Ich drehte aber lieber eine große Runde im Thüringer Wald. Ende August wollte ich bei einem Motorradtreffen im Thüringer Wald wieder einen Tourguide machen. So konnte ich mir schon mal einige schöne Strecken aussuchen.

In Eisenach besuchte ich die Wartburg. Von hoch oben konnte ich einen letzten Blick auf den Thüringer Wald werfen bevor ich weiter nach Norden meinen Weg fortsetzte. Vom Parkplatz bis zur Burg ist es ein schönes Stück bergauf im Wald zur Burg. Koffer, Case und Helm blieben verschlossen und angeschlossen an der BMW. Meine Motorradkleidung musste ich aber anbehalten. Das war viel zu warm für diesen Tag, aber da musste ich durch. Die Burgbesichtigung war aber die Strapaze wert. Richtig heiß kam ich wieder unten auf dem Parkplatz an. Es folgte der Stadtverkehr von Eisenach. Die Sonne versuchte den Helminhalt zu grillen und mich zu kochen. Dagegen hilft die Sahara-Stellung der Jacke und viel Fahrtwind. Leider erreicht man im Stadtverkehr nicht die nötige Geschwindigkeit. An einer Tankstelle gab es wieder mal eine Flasche Pfirsicheistee. Meine Handschuhe hatte ich derweil in der Eistruhe zwischen den Noggers und Cornettos versenkt. Irgendwann war ich dann endlich raus aus der Stadt.

In Mihla am Werraknie traf ich wieder auf die Werra am Westrand des Nationalparks Hainich. Der 16.000 ha große, teils urwaldartige Hainich ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands und Teil des Naturparks Eichsfeld - Hainich - Werratal. Etwas östlich der Werra fuhr ich weiter durch den Nationalpark bis an sein nördliches Ende beim Heilbad Heiligenstadt. Diese Kreisstadt mit ihren knapp 17.000 Einwohnern liegt im Dreiländereck Thüringen - Hessen - Niedersachsen. Diese Region ist zwar kein ausgesprochenes Mittelgebirge. Trotzdem musste ich viele Höhenmeter auf erstklassigen Motorradstrecken überwinden auf meinem Weg von Eisenach nach Heiligenstadt.

Mein Ziel an diesem Tag war die alte Fachwerkstadt Duderstadt, welche etwas nördlich davon bereits in Niedersachsen liegt. Das Rathaus in Duderstadt ist eines der ältesten Rathäuser Deutschlands. Auf massigem Unterbau aus hellem Sandstein ruht die dreitürmige Fachwerkkonstruktion aus Eichenholz. Alle Baustile vom 14. - 18. Jahrhundert sind hier enthalten. Das Rathaus der Stadt war einst ein Kaufhaus. Heute ist es auch das kulturelle Zentrum von Duderstadt. Und tief in seinem Inneren ist die alte Folterkammer. Hier wurde das "Gesindel" zur Wahrheitsfindung der "peinlichen Frage" unterzogen. Zu Abend aß ich nach einem Spaziergang in der Innenstadt im historischen Ratskeller neben dem Rathaus.

Zuvor machte ich den Motor meiner F 650 neben dem offenen Garagentor einer Privatpension aus. Neben mir stand eine Sportkarre, in der im Schatten der Garage ein kleines Mädchen schlief. Es wurde nicht wach durch meine Ankunft. Leise nahm ich das Gepäck von meinem Motorrad. Die Mutter, meine Gastwirtin, erzählte, sie war mit ihren Kindern am Nachmittag im Schwimmbad gewesen. Die waren jetzt alle richtig müde und erschöpft. Mein Zimmer lag im Keller des Hauses. Das war ein angenehm kühler Ort im Haus.

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Märchentour 2010 - Nach Helmstedt im Elm/Lappwald

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