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Märchentour 2010 - Nach Gaflenz im Mostviertel

Der Morgen begrüßte mich mit wolkenlosem Himmel, warme Temperaturen versprachen einen herrlichen Motorradtag. Nur meine kleine BMW zeigte eine kleine Schwäche. Ich hörte manchmal den Zahnriemen. Aber das Problem kannte ich schon. Da fehlte nur ein Schuss Silikonspray auf die Riemenscheibe am Hinterrad. Diese Pflegemaßnahme hatte ich vor der Abfahrt vergessen. Ich fuhr das Lesachtal hinunter und stoppte in Kötschach-Mauthen an einer Ford-Werkstätte. Hier half man mir für 1 in die Kaffeekasse mit Silikonspray aus. Fortan war Ruhe in meinem Antrieb.

Weiter ging's im oberen Gailtal von Kötschach-Mauthen bis St. Stephan im Gailtal. Dann schwenkte ich nach Nord-Osten nach Paternion im unteren Drautal. Im Drautal fuhr ich ein kleines Stück nach Süd-Osten und wechselte dann wieder die Himmelsrichtung nach Nord-Osten. Damit beendete ich meinen Zickzack-Kurs durch Kärnten. Etwas nördlich des Ossiacher Sees scarvte ich in den Gurktaler Alpen/Nockberge in einigen großen Bögen durch Kärnten bis zur Mur, auf die ich in Murau traf.

Die Täler in Kärnten sind mit Ausnahme des Lesachtales relativ breit. Sie werden von hohen Bergen gesäumt, aber die zumeist Bundesstraßen in den Tälern längs der Flüsse weisen nur geringe Steigungen auf. Ich wollte aber immer wieder mal von einem Tal rüber in das Nachbartal. Dabei musste ich über die Berge, z.B. über die Windische Höhe vom Gailtal in das Drautal. Die Landstraße hat 16% Steigung nach oben und 18% Gefälle hinunter. Sie kommt ganz ohne Kehren aus. Kurve reiht sich an Kurve, aus den Kurvenkombinationen werden regelrecht Wedelstrecken. Auf neu-BMW-isch nennt sich das Scarven. Ich hatte also genau das richtige Sportgerät dabei und es ist genau der Fahrstil, den ich am liebsten mag.

Aber mein Scarver schwächelte erneut. Das Fahrlicht ging nicht mehr. Auch das Problem kannte ich. Es half etwas wackeln am Massekontaktstecker des Scheinwerfers und das Licht ging wieder. Aber leider nicht mal bis zur nächsten kleinen Pause. In Murau lag eine VW und Audiwerkstatt auf meinem Weg. Ich bat um einen Tropfen Kontaktspray. Mit Kontaktspray hatte ich das Problem schon öfters für längere Zeit lösen können. Ich zog den Flachstecker ab, benetzte ihn mit Kontaktspray und wollte ihn wieder auf die kleine Zunge aufstecken - aber die war nicht mehr da. Die war abgebrochen! Ich holte den Mechaniker aus der Werkstatt und bat um ein kleines Statement was man denn so auf die Schnelle tun könne. Er fummelte etwas von hinten im Scheinwerfer herum. Dann meinte er, wahrscheinlich müsse man den Scheinwerfer ausbauen, aber wenn die Seitenverkleidung ab wäre könne man vielleicht von hinten ran. Etwas stören würden an der Stelle ja auch meine Nebelscheinwerfer. Aber es wäre einen Versuch wert. Er ging wieder an die Arbeit und ich baute die rechte Seitenverkleidung ab. Das nötige Werkzeug hatte ich dabei. Dann holte ich ihn erneut zu meiner CS. Nun stellte er fest, dass er den Schaden ohne Scheinwerferausbau reparieren könne. Er holte sich ein kurzes Stück Kabel, Stecker, eine Öse, eine Crimpzange usw. und hatte in wenigen Minuten die Masseleitung erneuert. Dann ging er wieder an seine Arbeit. Ich baute die Seitenverkleidung wieder an und bezahlte lächerliche 4,95 für alles. Ich rundete auf 10 auf und fuhr mit großer Dankbarkeit nach 45 Minuten Reparaturunterbrechung weiter. Gerne mache ich hier noch einmal Werbung für die Fa. Schuhberger, VW + Audizentrum in Murau. Irgendwie machte das Scarven mit einem intakten Licht vorne gleich noch mehr Spaß.

In der Steiermark wedelte ich über die Niederen Tauern von St. Peter am Kammersberg nach Nord-Osten bis Oberzeiring und dann weiter nach Norden über Trieben nach Admont. Von Kötschach-Mauthen an hatte ich keine einzige Kehre zu bezwingen. Kurz vor Trieben waren es dann aber so 10 Stück auf einmal. Und was für welche! Die sind so genial und kühn in die Felswand hineingebaut, und so neu, dass sie noch nicht mal in meiner Navikarte verzeichnet sind. Apropos Baustellen: Zwei längere Baustellen zwangen mich zu unfreiwilligen Offroad-Einlagen. Auf einer Baustelle wurde die Straße ordentlich bewässert - damit es nicht so staubt! Meine Maschine und meine Beine knie-abwärts sahen nach der Baustellendurchfahrt aus, als ob ich durch ein großes Schlammloch gefahren wäre. Dabei hatte ich noch nicht einen Regentropfen abbekommen.

So gelangte ich in meine Lieblingsregion zum Motorradtouren. Nach Norden bis zur Donau werden die Alpen allmählich niedriger. Über Stunden ist schwungvolles Scarven angesagt. Feiner Asphalt, tausende Kurven, Steigungen meist um die sieben bis zehn Prozent - da bleibt auch noch Zeit, die grandiose Landschaft zu genießen. Die Berge sind zwischen 1000 und 2000 Meter hoch, es ist eine sehr waldreiche Gegend, die Gebirgsflüsse wie die Salza, die Enns, die Ybbs oder die Erlauf suchen sich ihren Weg in den Tälern zur Donau. Die Landstraßen folgen über weite Strecken den stark gewundenen Bach- und Flussläufen. Ich wählte diesmal eine Route vom Gesäuse nach Norden längs der Enns und dann der Ybbs. Die Fahreigenschaften meines Scarvers von BMW sind ideal abgestimmt auf die Wedel-Straßen dieser Region in der Steiermark, in Niederösterreich und Oberösterreich. Freudestrahlend beendete ich den Tag in einer kleinen Pension in Gaflenz, einem kleinen Dorf in der Nähe von Waidhofen an der Ybbs. Der Ort liegt in einem Talkessel zwischen der Enns und der Ybbs.

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Märchentour 2010 - Nach Pyhra im Weinviertel

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