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Märchentour 2010 - Nach Birnbaum im Lesachtal

Mit dem Wetterbericht bin ich schnell fertig. Es sollte ein heißer Sommertag werden. In den Tälern würde die Sonne versuchen mich zu grillen, hoch oben auf den Pässen sollte es angenehm warm sein. Ein herrlicher Urlaubstag konnte kommen. Mein Motorrad und ich, gutes Wetter und die Sellarunde vor mir. Der Traum ging weiter.

Kaum ein anderes Gebiet in den Alpen verfügt über so bizarre Felsen, Zinnen und Zacken wie die Dolomiten. Das Herzstück der Region: die imposante Sella-Gruppe. Eine kantige Festung aus Granit, die den Namen Kunstwerk verdient. Drum herum haben die Straßenbauer mächtig in die Hände gespuckt und eine magische Pässerunde in den Stein gehauen, die selbst anspruchvollsten Fahrern regelmäßig Tränen in die Augen treibt: Grödner Joch, Sella-Joch, Passo Pordoi und Passo di Campolongo. Die Sella-Runde - insgesamt rund 10000 Höhenmeter! - gilt uneingeschränkt als der größte Spaßmacher in der östlichen Alpenhälfte. Basta. Diese Reportage habe ich aus Motoradonline.de abgeschrieben. Besser könnte ich es auch nicht formulieren. Meine poetische Begabung hält sich nämlich in engen Grenzen. Von Wolkenstein kommend bog ich links ab in die Sella-Runde. Zuerst folgte der nur mäßig steile Anstieg zum Grödnerjoch. Die Abfahrt nach Corvara in Badia hat schon einige mehr der schön ausgebauten Kehren zu bieten. In Corvara bog ich rechts ab um über den Campolognopass nach Arabba zu scarven. Da hier die Kurven nicht so spektakulär und steil sind rollte ich in gemächlichem Sightseeing-Tempo den Pass hoch und dann wieder runter. In Arabba hielt ich mich wieder rechts um zum Pordoipass zu kommen. Auf der Auffahrt, aber erst recht auf der Abfahrt nach der Passhöhe, forderten mich steile und teils etwas enge Serpentinen heraus. Der anschließende Anstieg zum Sellajoch ist ebenfalls ein Eldorado für Kurvenfahrer. Die Abfahrt in Richtung Wolkenstein ist eher eine schnelle Wedelstrecke, enge Kehren sind die Ausnahme. Das Sellajoch ist für mein Empfinden aber der steilste Pass von den Vieren auf der Runde. An der Abzweigung nach Wolkenstein wendete ich und fuhr zurück. Ich hatte in ca. 2,5 Stunden mit Pausen eine komplette Sellarunde geschafft. An einigen Stellen hielt ich an um das beeindruckende Panorama zu genießen. Auf der einen Seite ragen steil und zerklüftet die Bastionen des Sellastocks in den Himmel, als ob sich die Natur hier eine Festung gebaut hätte. Auf der anderen Seite dieser Bilderbuchlandschaft der Dolomiten bestaunt man die mächtigen Gipfel der Geislerberggruppe, oder bewundert den Marmolata-Gletscher, oder lässt den Blick hinüber zum Langkofel schweifen um nur einige wenige andere Postkartenmotive zu nennen.

Die Straßenbauer waren überall dabei schadhafte Teerdecken auszubessern. So sorgten sie für einige zusätzliche Abwechslungen. Man konnte nie wissen wie es nach der nächsten Kehre aussah. War da guter alter Asphalt, oder kaputter Asphalt, oder neuer, schwarzer Asphalt, oder aufgefräster Asphalt. Dazu waren noch auffällig viele Radfahrer unterwegs. Auf die musste man gut aufpassen. Ich gestehe hier ausdrücklich meine Bewunderung für diese Radsportler, die mit eigener Muskelkraft die Steigungen der Pässe überwinden, für die uns die Power unserer Motoren zur Verfügung steht.

Zwischen dem Sellajoch und dem Pordoipass verließ ich die Sellarunde und bog ab nach Canazei. Auch dieses Teilstück meiner Tagestour in den Dolomiten ist gespickt mit Serpentinen. In Canazei bog ich links ab zum Fedajapass. Zuvor machte ich eine kleine Pause am Fedaja-Stausee am Fuße des Marmolatagletschers. Der nächste Pass in meiner Sammlung war der Ciaupass, den ich über Caprile und Selva di Cadore erreichte. Die teils engen Serpentinen und Lawinengalerien des Ciaupasses lagen schon letztes Jahr etwas unfreiwillig auf meiner Tour in den Dolomiten. Das nächste große Highlight sollten die drei Zinnen werden. Auf dem Weg dorthin wirkte kurz das Flair der Olympiastadt von 1956, Cortina d'Ampezzo auf mich. Nach ca. 15 etwas gemütlicheren Kilometern über den Tre-Crocipass erreichte ich den Misurina-See. Wie gemalt liegt der See im Tal, die umliegenden Gipfel der Sextener Dolomiten spiegeln sich in seiner Wasseroberfläche. Ehrlich gesagt, die gesamte Dolomitentour bestand nur aus einer Aneinanderreihung von Postkartenmotiven. Es folgte ein weiteres Superhighlight des Tages, die mautpflichtige Panoramastraße zum Südhang der drei Zinnen. Die Straße ist für mich Flachländer eine echte Herausforderung und das Panorama, egal ob von unten oder dann von ganz oben, einfach überwältigend. Diesen Ausblick darf man sich wirklich nicht entgehen lassen. Gegen 14:30 Uhr trat ich den Rückweg an. Am Misurina-See bog ich nach Süden ab um ab Casa San Marco bis Paluzza hauptsächlich nach Osten zu fahren. Über den Plöckenpass im Norden von Paluzza kam ich nach Österreich, nach Kärnten in das Gailtal.

Die Serpentinen auf der Südauffahrt zum Plöckenpass sind eine Klasse für sich. Sie sind sehr steil und in sehr kurzen Abständen hintereinander. Oftmals nur getrennt durch einen kurzen Lawinentunnel. Drei Kehren sind sogar im Tunnel. Das hatte ich auch noch nicht gesehen. Ich stellte wieder mal fest, dass Kehren nicht meine Lieblingskurven sind. Ich mag lieber schnellere, flüssig zu fahrende Kurven. Aber es ist alles eine Sache der Übung. Im letzten Jahr war die Auffahrt zu den Drei Zinnen eine große Überwindung für mich. Vielleicht auch weil es die ersten richtigen Kehren des Tages waren. Diesmal hatte ich schon die vier Pässe der Sellarunde, den Pass Ciau und Tre Croci um nur mal einige der großen Pässe zu nennen, hinter mir. Alleine die Auffahrt auf den Pass Giau hat 29 Kehren, habe ich mir gemerkt. Auf dem Tre-Croci Pass bei Cortina d'Ampezzo sind die Kehren etwas flüssiger zu fahren. Das mochte ich schon mehr, genauso wie die lange Fahrt vom Misurina-See zum Plöckenpass. Sofort summte ich wieder ein Lied vor mich hin oder pfiff eine Melodie, die mir gerade in die Ohren kam. Leichte Ohrschmerzen hatte ich sowieso den ganzen Tag. War ich oben angekommen waren meine Ohren noch im Tal, wenn ich im Tal war, waren die Ohren wohl noch auf dem Pass. Auf den Kehren-Strecken hatte ich die Lippen zusammengepresst und verrenkte mir den Hals beim Blick um die Kurven. Trotzdem war es schön, Herausforderungen machen die Urlaubstour spannend und interessant. Als Entschädigung winkte ein unbeschreibliches Hochgebirgspanorama.

In Kötschach-Mauthen bog ich links ab um die Tagestour im Lesachtal mit einigen knackigen Serpentinen ausklingen zu lassen. Übernachtet habe ich auf einem gepflegten Bergbauernhof hoch über Birnbaum auf der Sonnenseite des Lesachtales. Vorher machte ich noch einen Spaziergang auf einem rustikal-romantischen Bergwanderweg hinunter in das Tal nach Birnbaum um beim Gastwirt zu Abend zu essen. Als der Gastwirt hörte, dass ich aus Flensburg käme, fragte er: "Kennen sie die Briesen-Kaserne in Flensburg? Da war ich stationiert." Ich musste ihm erzählen, dass es diese Kaserne schon länger nicht mehr gäbe. Auch seine Stamm-Disco, in der er immer nach den schönsten nordischen Mädels Ausschau hielt, hat längst zugemacht.

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Märchentour 2010 - Nach Gaflenz im Mostviertel

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