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Märchentour 2010 - Nach Wolkenstein im Grödnertal

Das Kaiserwetter ging weiter. Nur, dass hoch oben in den Bergen die Temperatur recht angenehm war. In den Tälern aber erreichte das Thermometer wieder 35C. Vom Start an früh am Morgen war meine Jacke auf Sommer eingestellt.

Ich startete nach Süden, überquerte die Grenze zu Österreich und gelangte so in den Bregenzer Wald. Die Reise ging über Krumbach vorbei am kleinen Stausee Bolgenach nach Hittisau, Schwarzenberg, Schnepfau und Schröcken zum Hochtannbergpass. In Schnepfau musste ich anhalten um eine große Rinderherde vorbeizulassen. Die Straße sah hinterher richtig gepflastert aus. Ich hoffe, die Bauern haben nach mir den Mist wieder entfernt von der Straße. An vielen Stellen auf meiner Tour waren Weidegitter in die Straße eingelassen, damit die Rindviecher nicht abhauen. Aber die dachten gar nicht daran. Meist standen oder lagen sie im Schatten unter den Bäumen auf den Weiden.

Der Hochtannbergpass verbindet das Tal der Bregenzer Ach in Vorarlberg mit dem Lechtal in Tirol. Bei max. 14% Steigung ist die Passstraße von Schröcken nach Warth recht schön zu fahren. Das Tal der Bregenzer Ach wird dabei immer enger, die Bregenzerwaldstraße wird dabei von einigen Lawinengalerien überdacht. Im Lechtal fuhr ich weiter nach Nordosten bis ich kurz vor Elmen nach rechts abbog zum Hahntennjoch. Diese Passtrasse verbindet das Lechtal mit dem oberen Inntal, sie ist aufgrund der Streckenführung besonders bei Motorradfahrern und Radsportlern sehr beliebt. Für Fahrzeuge über 14 Tonnen und Wohnanhänger ist sie gesperrt, es sind einfach zu viele enge und steile Stellen zu überwinden.

In Pfafflar gönnte ich mir bei einer Pause in einem schattigen Gartenlokal einen Wurstsalat und einen Almdudler. Als ich den Motor vor dem Garten ausmachte ertönte der Ruf: "Mach den Warnblinker aus!" Vier Motorradfahrer im Garten hatten gesehen, dass ich mit Warnblinker fuhr. Wenige Kilometer vor Pfafflar hatte ich für einen kurzen Fotostopp am Straßenrand den Warnblinker angemacht und dann bei der Weiterfahrt vergessen auszumachen. Die rote Leuchtdiode im Schalter ist bei Sonnenschein kaum zu sehen. Das ist schlecht von BMW konstruiert. So kam ich aber gleich ins Gespräch mit den anderen Motorradfahrern.

Im Inntal verweilte ich nur ganz kurz. Mich zog es in ein südliches Seitental davon, in das Pitztal. In Wenns hielt ich mich rechts und folgte einem steilen schmalen Anstieg hoch auf die Pillerhöhe. Ein ebenso steiler wie schmaler Abstieg folgte zum Oberen Inntal, welches ich in Fließ wieder erreichte. Der kürzere Weg vom Hochtannbergpass bei Warth nach Fließ wäre sicherlich die Stecke über den Arlberg gewesen. Die Schönere ist aber die Fahrt im Lechtal, über das Hahntennjoch und die Pillerhöhe mit dem Gachen Blick auf das Inntal. Der schnellste und kürzeste Weg von Flensburg nach Wien ist sowieso mit dem Zug nach Hamburg und weiter mit dem Nachtzug bis Wien. In ca. 15 Stunden wäre ich da. Aber so will ich das gar nicht, ich mache lieber eine wunderschöne Motorradtour aus meinem Urlaubsbesuch in der alten Heimat. Ab Fließ blieb ich im Inntal. Ich fuhr über Ried im Oberinntal, Pfunds und Nauders dem Reschenpass entgegen. Die Passhöhe ist in diesem Dreiländereck Österreich, Schweiz und Südtirol bereits auf italienischem Staatsgebiet mitten in der Ortschaft Reschen auf ca. 1500 m Seehöhe. Hier beginnt auch der Reschensee, ein 6 Kilometer langer und bis zu einem Kilometer breiter Stausee. Beim Anstauen des Sees 1950 wurden ein Teil von Reschen und der Ort Graun in den Fluten versenkt. Nur der Kirchturm von Graun ragt aus den Fluten. Ich weiß nicht wie viele Millionen Mal er seither schon als Fotomotiv herhalten musste. Der See mit dem Kirchturm darin und das Hochgebirgspanorama dahinter. Am Ostufer des Reschensees geht die Bundesstraße SS40 längs, am Westufer ist eine schmale Landstraße in die meist bewaldeten Uferhänge hinein gebaut worden. Ich wählte natürlich die Landstraße für meinen Weg in den Süden. Am südlichen See-Ende fuhr ich dann rüber zur Bundesstraße SS20 und folgte ihrem Verlauf bis nach Meran und noch weiter nach Bozen. Die SS20 verläuft dabei weitgehend neben der Etsch. In Bozen wechselte ich sozusagen den Fluss und fuhr neben der Eisack nach Nordosten.

Das Stück vom Reschensee bis Bozen kann ich nicht empfehlen. Das Etschtal ist dicht besiedelt. Das heißt, es ist viel Verkehr und ständig sind nur 50 oder höchstens 70 km/h erlaubt. Schneller könnte man meistens wegen des dichten Verkehrs mit vielen LKWs dazwischen so wie so nicht fahren. Es gelang mir Meran ganz gut auf einer ganz schmalen Nebenstraße durch die Obstplantagen zu umfahren. Das Navi hat sich wieder mal bestens bewährt dabei. Aber durch Bozen musste ich mitten hindurch. Alles in allem brauchte ich für die knapp 100 Kilometer vom Reschensee zum Eisacktal nach Bozen 2,5 Stunden.

Durch das Eisacktal quetscht sich neben der SS12 und der Eisack auch noch die Brennerautobahn hindurch. In Ponte Gardena, oder auf deutsch Waidbruck, bog ich rechts ab in das Grödnertal, oder auf italienisch Val Gardena. Viele Einwohner der Hauptgemeinden des Grödnertales St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein haben als Muttersprache Ladinisch. Am Ende von Wolkenstein, am Fuße der Sellagruppe, machte ich vor einer kleinen Pension den Motor aus und bezog mein Nachtquartier.

Ich war am südlichsten Zipfel meiner Tour angekommen. Trocken angekommen! In einem der vielen Tunnel war die Straße nass. Deshalb hatte mein Scarver einige Wasserspritzer abbekommen. Da musste man aber schon genauer hinschauen um die zu sehen. Der Staub auf der Maschine hielt sich auch in Grenzen, die Putzaktion vor der Abfahrt hatte sich also gelohnt. In meinem Zimmer in der Pension in Wolkenstein war ein kleiner Fernseher. So konnte ich den Wetterbereicht verfolgen. Es sollte auch die nächsten 5 Tage sommerlich warm und trocken bleiben. Mit diesen Aussichten konnte ich beruhigt zu Bett gehen.

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