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Märchentour 2010 - Nach Talle im Weserbergland

Es war Samstag, 26. Juni 2010, morgens um 8 Uhr. Ich hatte die nächsten 2 Wochen Urlaub. Kurz gesagt, ich saß auf meinem Motorrad, startete den Motor und fuhr los. Die nächsten 15 Tage würde ich auf meiner Sommertour 2010 mit meiner kleinen BMW sein. Das Wetter hätte nicht besser sein können. Bei ca. 14°C wurde der Himmel von einigen weißen Schönwetterwolken verziert.

Zwei Dörfer weiter wartete schon ein Freund mit seinem BMW-Gespann auf mich. Er wollte mich ein Stück begleiten auf meinem ersten Tourtag. Auf kleineren kurvigen Landstraßen nahmen wir unsere Fahrt auf in den Süden. Auf unserem Weg lag auch das Dörfchen Idstedt, dass 1850 in die Geschichtsbücher einging. Die Herzogtümer Schleswig und Holstein wollten sich von ihrem Herrn, dem dänischen König, loslösen und dem deutschen Staatenbund beitreten. Da der dänische König seine südlichsten Herzogtümer nicht hergeben wollte kam es im Juli 1850 zur Entscheidungsschlacht bei Idstedt. 26.000 Schleswig-Holsteiner trafen auf 37.000 dänische Soldaten. Dänemark gewann und behielt zunächst die Herzogtümer. Erst 1864 besiegte ein Heer des deutschen Staatenbundes unter der Führung Preußens und Österreichs die Dänen in mehreren Schlachten. Das Land kam unter Preußisch-Österreichische Verwaltung. Bismarck suchte sofort Streit mit den Habsburgern in Wien und 1866 kam es zum Krieg zwischen den beiden damaligen deutschen Großmächten. Preußen gewann und als Beute wurde Schleswig-Holstein eine preußische Provinz.

Eine Stunde später trennten sich unsere Wege am Nord-Ostseekanal an der Fähre Breiholz westlich von Rendsburg. Mein Freund musste wieder zurück um am Nachmittag beim Kindergarten-Sommerfest den Grillmeister zu machen. Ich hingegen überquerte den Kanal mit der Fähre. Schon 1864 hatte Bismarck die Planung und den Bau des Kanals in Auftrag gegeben. Er wollte verhindern, dass die deutsche Kriegsflotte auf dem Weg von der Ostsee in die Nordsee unter dänischen Kanonen fahren musste. 1864 wohlgemerkt gehörte das Land noch nicht zu Preußen, es gab noch kein deutsches Reich und schon gar keine deutsche Kriegsflotte. Aber der eiserne Kanzler war ein strategisch weit vorausblickender und handelnder Politiker.

Ich fuhr weiter dicht südlich des Kanals nach Süd-Westen, vorbei an dem Dörfchen Wacken bis zur Stör in der Nähe von Itzehoe. In Wacken war noch nichts zu sehen vom größten Heavy Metal Festival der Welt, das jedes Jahr am ersten Augustwochenende stattfindet. Zum Wacken Open Air kommen ca. 75.000 Hard-Rock-Fans in das kleine Dorf, die alle friedlich feiern und das ganze Dorf mit einbeziehen. Ich folgte von Itzehoe an der Stör in vielen Windungen bis zur Elbe bei Glückstadt. Das war nochmals eine einigermaßen gute Motorradstrecke bevor es mit der Fähre über die Elbe ging.

Die Fahrt über die Elbe bei Glückstadt dauerte ca. 30 Minuten. Es war mittlerweile richtig warm geworden. Die Klimamembrane aus meiner Jacke war in meinem Koffer und ich öffnete so nach und nach alle Lüftungsreißverschlüsse der Jacke. Dann hieß es wieder mal die Norddeutsche Tiefebene zu durchqueren. Zwei Stunden in leicht welligem Gelände fast nur geradeaus, immer nach Süden, mal auf Bundes- und mal auf Landstraßen ließ ich meine BMW ruhig laufen. Städte vermied ich so gut es ging wegen des Verkehrs. Durch die Dörfer ist man schneller durch und kann dann wieder freier fahren. So gelangte ich auch im Landkreis Stade in das Christkind- und Weihnachtsdorf Himmelpforten. Meinen Weihnachtswunschzettel hatte ich aber noch nicht dabei, so fuhr ich einfach weiter auf meinem Weg von der Elbe zur Weser. Dabei musste ich wegen zweier Baustellen von meiner geplanten Strecke abweichen. Bei Achim in der Nähe von Bremen überquerte ich zum ersten Mal die Weser, etwas nördlich von Minden traf ich die Weser wieder und blieb an ihrer Seite bis an den Rand des Weserberglandes.

Ab ca. 16:00 Uhr war keine Wolke mehr am Himmel. Es war richtig sommerlich heiß geworden. Aber das störte mich nicht. Die letzten ca. 30 Kilometer des Tages bis in das Kalletal konnte ich also doch noch schön scarven. Ab Porta Westfalica konnte mein Scarver so richtig zeigen warum er so heißt. Das hat richtig Spaß gemacht. Ich hätte noch einige Stunden weiter so schön durch die Kurven ziehen können. Den Alten Krug in Talle erreichte ich gegen 18:30 Uhr. Mit einem ordentlichen ‚Varus-Schnitzel' beendete ich diesen ersten Tourtag.

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Märchentour 2010 - Nach Ortenberg in der Vogelsbergregion

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