Eine Stereographie ist eine fotografische Aufnahme, die eine stereoskopische Wiedergabe ermöglicht, bei der während der Betrachtung für jeden Punkt des ja eigentlich »flachen« Bildes auch eine Tiefeninformation wahrgenommen werden kann.
Um das Konzept des stereoskopischen Sehens zu verstehen, muss man sich nur die Tatsache bewusst machen, dass jedes Auge beim Betrachten eines Objektes einen geringfügig anderen Winkel zum Objekt einnimmt. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Position gewinnen beide Augen leicht variierende Ansichten eines Gegenstandes, die das Gehirn wiederum zu einem -räumlichen- Bild zusammensetzt.
Eine 3D-Fotografie, z.B. eine sogenannte Stereokarte besteht aus zwei stereoskopischen Halbbildern, die mit einer geeigneten Technik bzw. Methode so aufgenommen wurden und betrachtet werden müssen, dass jedes nur von einem Auge wahrgenommen wird. Das gilt ebenfalls für die sogenannten Anaglyphen; hier werden die beiden Halbbilder für die Betrachtung einer rot-grün bzw. rot-cyan-Filterung unterworfen und können somit getrennt wahrgenommen werden, wobei in der Regel der rote Filter für das linke Auge vorgesehen ist. Für die Aufnahme von 3D-Fotos werden meist spezielle Stereokameras verwendet, während zu ihrer Betrachtung in der Regel zweilinsige Stereoskope unterschiedlicher Bauart bzw. Anaglyphen-3D-Brillen dienen.

– Stereobild »Rostkugel« für einen klassischen Stereobetrachter
Eine Stereographie kann auch ein mit zwei Fotoapparaten gleichzeitig aufgenommenes Bild sein, wobei die Fotoapparate um den mittleren Pupillenabstand unserer Augen, also um ca. 6,5 cm seitlich versetzt werden müssen; bei Nahaufnahmen sollte mit einem Abstand von ca. 3 cm experimentiert werden. Die ersten Stereofotografen bedienten sich eines Stativs mit waagerechtem Balken, an dem sie eine Kamera für die zwei Aufnahmen hin-und herschoben oder direkt zwei Kameras genau parallel nebeneinander installierten und möglichst gleichzeitig auslösten. Versuche es doch ebenfalls einmal!

- Stereoskop »Omnium«, ein klappbares Stereoskop aus Frankreich
http://de.wikipedia.org/wiki/Dreidimensionale_Fotografie
http://de.wikipedia.org/wiki/Stereoskop
http://de.encarta.msn.com/
Lehrgang
Herstellung einer Anaglyph-Stereografik:
(Bildbearbeitungsprogramm: Adobe Photoshop™ (Vollversion))

– Fotogramm, Natalie, 6Jahre alt, Original
Im Gegensatz zu einer echten stereofotografischen Aufnahme und ihrer Umwandlung in ein anaglyphes Stereobild, wird mit der hier vorgestellten stereografischen Technik nur ein »Pseudo-3D-Effekt« erzeugt, in der Wirkung eher einem Guckkasten oder Papiertheater ähnlich. Du wirst Dich auch vielleicht schon gefragt haben, wie das Titelbild meiner Homepage, sozusagen das »Testbild« der Ortskundeprüfung entstanden ist. Nun, ich erkläre es an dieser Stelle am Beispiel eines Fotogramms meiner Tochter Natalie, ein Kinderbild, im Alter von 6 Jahren auf transparente Folie mit schwarzem Stift gezeichnet, in der Dunkelkammer auf Fotopapier gelegt, belichtet und entwickelt. Es wird nun in den folgenden drei Arbeitsschritten zu »Joannas Fotogramm 3D« (Meine Tochter nennt sich jetzt Joanna, doch das ist eine besondere Geschichte, die sie selbst erzählen sollte).
Mein Ziel ist es, die drei Katzen auch räumlich gesehen ins Innere des Katzenkorbes zu setzen. Um diesen Effekt zu erzielen unterteile ich das Bild in vier virtuelle Ebenen in einem gedachten Raum, so dass schließlich der Blick des Betrachters ins »Innere« gezogen und auf die Katzen gelenkt wird. Es entstehen also:
– eine Ebene der Katzen,
– eine Ebene des Korbes,
– eine Ebene der »Herzblüten«
– eine Ebene »Natalie«
In einem ersten Arbeitsschritt umfahre ich die drei Katzen mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug, – an den Abgrenzungen zum Korb hin möglichst dicht an den Katzen entlang und den Boden des Korbes lasse ich natürlich »draußen«. Die Auswahl muss geschlossen sein, also um die drei Katzen herumführen. Dann aktiviere ich in der Kanäle-Palette den Rot-Kanal (ein Klick darauf, aber alle Kanäle und RGB zeigen weiterhin ihr Augensymbol, sind also sichtbar) und wähle dann im Menü »Filter« unter den Filtern »Sonstige Filter« (ganz unten) den Filter »Verschiebungseffekt« aus. Im sich öffnenden Fenster gebe ich einen negativen »Horizontalwert« ein. Ich wähle »-4 Pixel nach rechts« und bei den »nicht definierten Bereichen« markiere ich »Kantenpixel wiederholen«. Dann folgt ein Klick auf »OK«.
Mit den Horizontalwerten darfst Du ruhig experimentieren, indem Du die Rot-Grün-Brille aufsetzt und die räumliche Wirkung sowie das Bild insgesamt ständig beurteilst. Je mehr Du den Negativwert erhöhst, desto mehr öffnet sich der Bildraum nach hinten, bzw. in die Ferne. Gleichzeitig werden dann aber auch verstärkt Doppellinien sichtbar. Hier musst Du einen für Deine Bildwirkung vernünftigen Kompromiss finden.
In einem zweiten Arbeitsschritt gehe ich nun davon aus, dass alle »Herzblüten« räumlich an der Stelle bleiben, wo sie sind. Diese Ebene, also die größte Bildfläche bleibt unangetastet. Ich wähle mit dem »Poligon-Lasso« nun aber den Korb aus und arbeite mich sauber durch die schwierigsten Stellen hindurch, dort wo eine Herzblüte die rechte untere Ecke des Korbes und eine zweite oben den Henkel berühren. Sobald die Auswahl gelungen ist, werden wieder der Rotkanal und der Filter »Verschiebungseffekt« aktiviert und folgende Werte eingetragen: Horizontalwert »-2 Pixel / Kantenpixel wiederholen« / Klick auf »OK«. Sieh an, eine zweite räumliche Ebene nach hinten ist entstanden.
Du wirst das Prinzip schon verstanden haben und schon längst einmal einen positiven Horizontalwert ausprobiert haben, denn darum geht es jetzt. Als dritten Arbeitsschritt wähle ich meine vierte Ebene »Natalie« aus, umfahre also den Namen und die drei nachfolgenden kleinen Herzchen und trage bei aktiviertem Rot-Kanal im Filter Verschiebungseffekt dieses Mal den Horizontalwert »+2« ein. Die Kantenpixelwiederholung bleibt markiert. Der Name tritt nun räumlich deutlich nach vorn … ja, vor das eigentliche Bild.
Probiere ruhig einmal auch höhere positive Werte aus.
Nachträglich habe ich die nun entstandene 3D-Stereografik noch mit einem Photoshop-Filter überarbeitet.
Ein weites Feld für viele kreative Experimente … doch verlaufe Dich nicht in der dritten Dimension!

– Joannas Fotogramm, 3D anaglyphe Stereografik

– Anaglyphe »Brückendurchfahrt« in Dalsland, Schweden
Lehrgang
Herstellung eines Anaglyph-Stereobildes:
Für unser Bild »Brückendurchfahrt« wurden zwei »Halb«-Bilder auf die schon erklärte Art und Weise
(ca, 6,5 cm Seitenverschiebung der Kamera vor der 2.Aufnahme) fotografiert, –
also eins für das linke Auge, eins für das rechte.
Sind die Bilder analog entstanden, so werden sie nun eingescannt und im Bildbearbeitungsprogramm »Adobe Photoshop« (Vollversion) zuerst in Schwarz-Weiß-Bilder umgewandelt, aber als RGB-Dateien, also im Farbmodus RGB, gespeichert und etwa so benannt:
»Eisenbahnbrücke«-links.psd und »Eisenbahnbrücke«-rechts.psd.
Beide Bilder müssen in Auflösung und Bildformat völlig identisch sein!
(Digitalbilder werden natürlich entsprechend behandelt.)
Anschließend öffnen wir in »Photoshop« eine neue, leere Datei im Farbmodus RGB,
- so groß wie eines der beiden Halbbilder, also gleiche Länge, gleiche Breite, gleiche Bildauflösung.
Wir benennen diese Datei vorerst als »Anaglyph-Stereo.psd« und speichern sie ab.
In dieser Datei »Anaglyph-Stereo« wechseln wir in die Kanäle-Palette und aktivieren den »Rot-Kanal«.
Wir gehen zurück zum »Halb«-Bild »Eisenbahnbrücke«-links.psd wählen den ganzen Bildinhalt aus und kopieren ihn in die Zwischenablage des Computers.
Dann wechseln wir zu unserer bisher leeren Datei »Anaglyph-Stereo« und fügen das linke Halbbild aus der Zwischenablage in den aktivierten Rot-Kanal ein.
Anschließend gehen wir wieder zurück zum »Halb«-Bild »Eisenbahnbrücke«-rechts.psd, wählen wieder den ganzen Bildinhalt aus und kopieren ihn ebenfalls in die Zwischenablage.
In unserer Datei »Anaglyph-Stereo« aktivieren wir nun in der Kanäle-Palette sowohl den Grün- als auch den Blau-Kanal (Shifttaste und Klick auf beide Kanäle!) und fügen das rechte Halbbild aus der Zwischenablage ein.
Stellen wir nun in der Kanäle-Palette (ganz oben) alles auf RGB, sehen wir die nahezu fertige komplette Anaglyphe »Eisenbahnbrücke« vor uns und können sie mit der Rot-Grün-Brille (grün steht für das rechte Auge, rot für das linke) einer ersten Betrachtung unterziehen. Unsere Augen benötigen dabei in der Regel einen gewissen Zeitraum, bis sich die räumliche Wirkung einstellt.
Während dieser ersten Überprüfung kann auch ein Feinjustieren durch Verschieben (mittels Verschieben-Werkzeug) des aktivierten Inhaltes des roten bzw. der beiden Grün-Blau-Kanäle - meist nur horizontal - notwendig sein. Wir betrachten unser 3D-Bild dabei immer durch die Rot-Grün-Brille und gewinnen dabei an Erfahrung bei der Beurteilung von Schärfe, Brillianz und räumlicher Wirkung.
Es ist eine Ortskundeprüfung. Viel Spaß in der dritten Dimension!
Hier findest Du das Album meiner 3D-Anaglyphen.

– Anaglyphe »Schimäre«, Notre Dame, Paris
Weiterführende Links:
http://www.stereoskopie.com/
http://www.weblexikon.de/Stereoskopie.html
http://www.stereoskopie.org/
http://www.rbt-3d.de/
http://www.dddesign.com