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Kettenantrieb in Deklination

Seit ca. 2 Jahren verändere ich meine Ausstattung stetig. Vor dem geistigen Auge habe ich als Ergebnis ein vollautomatisiertes Fernrohr in einer Kuppel, welches mit einem Autoguiding ausgestattet ist.


Nicht gerade positiv sind mir die langen Nächte in Erinnerung, wo ich bei Minusgeraden am Fadenkreuzokular hing und steifgefroren versuchte, die Position des Leitsterns bogensekundengenau zu korrigieren.


Um es aber vorweg zu sagen: Ich bin immer noch der Meinung, dass es nicht gut ist, wenn sich ein Hobbyastronom sofort ein High-End- Gerät mit Computersteuerung und digitalen Teilkreisen zulegt. Um alle himmelsmechanischen Aspekte  unseres Hobbys zu verstehen, sollte er nicht gleich den Himmel mit Goto abfahren und die Objekte, Einen nach dem Andern, abhaken.



Ich betreibe mein Hobby schon seit über 20 Jahren und habe mich langsam hochgearbeitet. Das Aufsuchen von Objekten per Sternkarte oder mit mechanischen Teilkreisen habe ich bis heute praktiziert. Mein erstes Hilfsmittel war  1990 der Taschencomputer PC 1360 von Sharp. Eingebaut war eine kleine Software mit dem Namen "Pegasus". Hier wurden die Koordinaten eingegeben und es wurden die Daten zum Einstellen der mechanischen Teilkreise ausgeworfen.


Gerne beobachte ich mit einem Dobson, der die Astronomie in ihrer Ursprünglichkeit bewahrt.  Nur so bekommt man eine Beobachtungserfahrung, die die Leistung eines Teleskops voll ausschöpfen kann.


Der erste Schritt war vor einigen Jahren der Umbau meiner Nachführung in der Stundenachse. Hier wurde alle Zahnräder entfernt und ein Schrittmotor angebaut. ( ich berichtete )


Der Umbau














Da die Mel-Bartels-Steuerung eine komfortable Go-To Funktion aufwies, wuchs natürlich in mir der Wunsch, auch den Tangentialarm an der Deklinationsachse abzubauen und gegen einen Mechanismus auszutauschen, der es ermöglicht, die Achse mindestens 90 Grad schwenken zu können.


Die Anschaffung eines großen Schneckenrades war mir zu teuer. Daher suchte ich mein Heil im Internet. Hier wurde ich auch bei einem alten Bekannten fündig. Wilfried (Willi) Wacker trieb sein Fernrohr schon seit langem über zwei Kettenräder an. Nicht umsonst nennt er seine Montierung  auch " Kettenkarussel"

http://www.starwack.de


Wie bei Bastlern so üblich, hatte auch ich noch das Schwungrad ( 370mm) meiner alten Miele Waschmaschine herumliegen. Der große Durchmesser müßte doch in Verbindung mit einem kleinen Ritzel und einer entsprechenden Übersetzung....????


Der erste Gedanke war gemacht und der zweite Schritt nicht fern.


Zunächst fing ich an dem eigentlichen Antrieb zu basteln. Ich hatte ja noch die gesamten Zahnräder aus dem Umbau der RA-Achse herumliegen. U.a. ein stabiles kugelgelagertes Getriebe von Siemens mit einer Übersetzung von 1:120.

Auch fanden zwei Zahnräder im Verhältnis 1:4 ihr neues Aufgabengebiet.


Am anderem Ende mußte nur noch der Schrittmotor adaptiert werden. Probleme machte die Auswahl des Ritzels. Zunächst experementierte ich mit einem Ritzel von einem alten Zahnkranz meines Rennrades. Hier waren mir aber die Flanken zu spitz und das Spiel zu groß. Erst als ich auf das Ritzel einer alten Kettenschaltung fiel, hatte ich das richtige Bindeglied zwischen Kette und  Schwungrad.


Zunächst wurde der Abstand zwischen Ritzel und Antriebsrad erheblich größer gewählt. In der Praxis erwies es sich aber, dass man das Ritzel so dicht wie möglich an das Schwungrad anbauen mußte. Erst so konnte man das Spiel minimieren.


Ein weiters Problem war es, die Kette auf Spannung zu halten. Zunächst veruchte ich es mit unterschiedlichen Spiralfedern. Die Kette bekam ich aber nie so richtig auf Spannung. Erst als ich beim Durchforsten meiner Schubladen auf zwei Rohrschellen fiel, wurden Diese zu meinem Zwecke mit Erfolg umgebaut. Es war sogar möglich, die Spannung über eine Schraube einzustellen. Eine komfortable und einfache Lösung wie ich finde.


Trotz aller Bemühungen mit der Kettenspannung und dem Ritzel hatte ich immer noch ein wenig Spiel in der Achse. Besonders beim unausweichlichen Focussieren eines Objektes wackelte das Bild unansehnlich hin und her.


Nun hatte ich ja noch den Tangentialarm, an dem eine Bremse für den genüberliegenden Achsstummel vorhanden war. Dieser wurde nun fest an der Gabel montiert. Über die Feststellschraube kann der Widerstand auf der Deklinationsachse stufenlos eingestellt werden.


Was soll ich schreiben, alles bestens. Kein verwackeltes Bild und die Kraft des Antriebes reicht aus, um das Fernrohr durch den Widerstand der Bremse hindurch zu bewegen.




Die Praxis


Hier bewegt sich der Tubus in Deklination nun ausreichend schnell. Eine Schwenk von 90 Grad wird in ca. 1 Minute vollzogen. 


Ein Problem entstand immer noch beim Wechsel der Schwenkrichtung. Hier kommt erneut die enormen Einstellmöglichkeiten der Mel-Bartels-Steuerung zum tragen. Ich mußte nur in Dekl. das Backlash einstellen. Dies geschah durch verstellen der Werte nach dem Prinzip " Versuch und Irrtum", bis ich mich dem richtigen Wert genähert hatte.


Für das richtige Positionieren muß nur noch die Schrittgröße für den Dekl. Schrittmotor eingestellt werden. Für die Berechnung benutze ich eine genau gehende Wasserwaage. Zunächst stelle ich den Tubus waagerecht, resete den Az-Wert auf 0 und fahre das Fernrohr mit Hilfe des Motors in die  Senkrechte.


Mit dem Verhältnis zwischen dem angezeigten Az-Wert und den 90-Grad  lässt sich die exakte Schrittgröße errechnen.


Dem automatischen Anfahren durch Goto steht wohl nichts mehr im Wege.

Übriggebliebene Fehler können dann noch mit PMC ( Pointing Model Corrections) verringert werden.


Die erste Einsatztauglichkeit mußte mein Deklinationsantrieb beim AFT auf dem Aschberg zeigen. Hier lief glücklicherweise alles perfekt und der übliche Vorführefekt blieb aus.

Nachdem sich Willi Wacker diese Seite angeschaut hatte, schrieb er mir, dass es aus seiner Erfahrung günstiger wäre, wenn ich die Rohrschellen weggelassen würde und eine starre Spannung einbauen könnte. Hierdurch würde sich das Spiel weitgehend beim Wechsel der Drehrichtung vermindern.

Nach dem festen Aufbau des Fernrohrs wird diese Möglichkeit  sicherlich umgesetzt. ( Aus der Praxis in die Praxis)  Zur Zeit muß ich aber die Rohrschellen nutzen, da ich beim Abbau des Fernrohrs von der Montierung auch den Antrieb abbauen muß. Hierzu muß die Kette gelöst werden.