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Venustransit

Venustransit

07:41

07:31

07:57

09:13

12:18

Immer wieder gibt es astronomische Ereignisse, die lange im Voraus geplant werden.  Neben der Sonnenfinsternis von 1999 war auch der Venustransit vom 08. Juni 2004 ein solch lang geplantes Himmelsspektakel.


Schon früh hatte ich mir das Datum gemerkt und meinen Schichtdienst entsprechend geplant. Nun sollte ich mir Gedanken darüber machen, wie ich die Beobachtung durchführen wollte. Relativ schnell zeigte sich in mir die Erkenntnis, die Beobachtung nicht alleine durchführen zu wollen.


Da meine beiden Kinder Sina ( 14 J.) und Jendrik ( 12 J.)  auf das Helene-Lange-Gymnasium in Rendburg zur Schule gehen, hatte ich die Idee, eine Schulklasse zu mir einzuladen.


Aus verschiedenen Büchern wusste ich, dass der Venustransit dazu genutzt wurde, die Astronomischen Einheit (AE) zu berechnen. Diese dient als Maßstab innerhalb des Sonnensystems.


In Absprache mit dem Fachbereichsleiter Physik des Helene-Lange Gymnasiums, wurde kurzfristig der Venustransit als Projekttag eingerichtet. Der Zeitraum lag auch günstig in den Vormittagsstunden.


Statt einer Klasse mit 30 Schülern summierte sich aufgrund des Projektes die Schülerzahl auf ca. 60 Schüler. Dies ging an die Grenze dessen, was mein Garten aufnehmen konnte. Zusätzlich entwickelte sich hieraus eine Eigendynamik in dessen Sog die Presse Einzug hielt.


Während des AFT 2004  konnte ich einen netten Kontakt zum NDR knüpfen. Dieser wollte dann auch prompt einen Bericht über meine Aktionen im Schleswig-Holstein-Magazin senden. Zusätzlich fragte die Landeszeitung nach, ob sie nicht auch einen Bericht über den Venustransit schreiben könnte.

Der 08.06.2004 schien sehr interessant zu werden.


Aufgrund der hohen Schülerzahl war an eine Beobachtung direkt am Fernrohr nicht zu denken. Bevor jeder Schüler durch das Fernrohr geschaut hätte wäre der Venustransit schon vorbei gewesen.


Also musste ein Beamer her, mit dem ich ein Livebild von meinem Fernrohr auf eine Leinwand projizieren konnte. Zusätzlich sollte mein Computer einen weiteren Beamer mit einer Web-Cam versorgen, um auch bei schlechtem Wetter eine Beobachtung zu ermöglichen.


Neben dieser Technik sollten auch die Schüler mit Informationen versorgt werden. Immerhin musste die 11. Klasse an die Berechnung der AE herangeführt werden.


Glücklicherweise kam mir der Zufall zur Hilfe und ich kam in Kontakt mit einem Physikstudenten aus Rendsburg.  Frederik Golks erklärte sich bereit, zusammen mit einem weiteren Studenten die Berechnung der AE zu übernehmen.


Auf diesem Wege sei noch einmal der Dank an die Beiden ausgesprochen. Da ich ohne deren Hilfe das Projekt nicht so hätte durchführen können.


Beide hatten sich hervorragend auf die Thematik vorbereitet. Mit Computersimulationen wurden erste himmelsmechanische Voraussetzungen geschaffen. Danach ging es mit einfacher Tafelkreide zur Straße. Dort wurde überdimensional Parallaxeverschiebungen und  mathematischen Formeln  dargestellt und berechnet.

08. Juni 2004


Am heutigen Tag sollte / musste alles klappen. Immerhin hatte ich im Vorfeld einiges auf den Weg gebracht, was im Verlauf des Vormittages veranstaltet werden sollte.


Um 05:30 Uhr klingelte mein Wecker und der erste Blick aus dem Fenster versprach einen teilweise bewölkten Tag.


Zunächst wurde die gesamte Technik aufgestellt. Der erste Beamer wurde über ein Video-Kabel mit der Digitalkamera verbunden. Diese saß über eine Halterung am Okularauszug. Davor war ein 25mm Okular angebracht. Mit Dieser Kombination konnte die gesamte Sonnenscheibe dargestellt werden.

Als Filter wurde das Baader Sonnenfilter mit der visuellen Dichte von 3,8 benutzt.  Dieses war über die gesamte Öffnung von 10 Zoll angebracht.


Der zweite Beamer wurde an meinen Computer angeschlossen. Hier hatte ich eine A-DSL Flatrate zur Verfügung und es konnten verschiedene Web-Cams im Internet angesteuert werden.


Um 07:00 Uhr erschien der NDR mit ihren Fahrzeugen und die Kamera wurde aufgestellt. Rechtzeitig hatte ich die gesamte Technik aufgebaut und das Fernrohr war auf die Sonne ausgerichtet. Das von mir geschätzte Planetariumsprogramm „Ciel" zeigte mir unterdessen, dass der Beginn des Transits kurz bevorstand.


Etwas aufgeregt stand ich an meiner Kamera, um die ersten Bilder auf den Chip zu brennen. Im Vorwege hatte ich viel über den Transit gelesen. So war ich gespannt, ob der eine oder andere Effekt zu erkennen war.


Um 07:20 Uhr sah ich dann, wie die Venus an der Sonne „knabberte". Während ich die ersten Aufnahmen fertigte musste ich die Fragen des Reporters beantworten.


Als gegen 07:40 Uhr die Venus mit ihrem gesamten Durchmesser die Sonnenscheibe passierte, habe ich besonders genau hingesehen. Aber ich sah nichts. Die Venus und die Sonne konnte ich sicherlich wahrnehmen. Aber der berühmte schwarze Tropfen war nicht vorhanden. Eigentlich war ich ein wenig enttäuscht (siehe Foto). Später hatten wir im Rahmen einer Diskussion für uns entschieden, dass der Schwarze Tropfen kein Effekt der Venusatmosphäre gewesen sein kann, sondern aufgrund der unzureichenden Ausrüstung bei den vorangegangenen Transiten gewesen sein muss. Auch hat das Seeing eventuell sein übriges getan.


Der Rest des Tages ging wie im Fluge vorbei. Frederik war in seinen Vorträgen vertieft und musste aufgrund einer Gruppeneinteilung  den Stoff mehrmals vermitteln. Wenigstens brauchte er die Malerei auf der Straße nur einmal zeichnen.


Zwischendurch kam noch eine Grundschulklasse von der naheliegenden Schule und schaute durch den Dobsen von Frederik. Hierbei assistierten mir einige Schüler die im Umgang mit dem Fernrohr geübt waren. Besonders passten sie auf die neugierigen alles anfassenden Finger der Kinder auf.  Es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn eines der Kinder die Folie zerreist, während ein anderes Kind gerade durch das Okular schaut.


In dieser Hinsicht ging alles reibungslos.


Gegen 13:00 Uhr verabschiedete ich die Schüler. Die Bewölkung nahm zu diesem Zeitpunkt auch zu  und der austritt konnte nur noch durch einige Wolkenlücken beobachtet werden. Insgesamt hatten wir viel Glück mit dem Wetter der Vormittag war nur zu ca. 20 Prozent bewölkt.


Die Veranstaltung war ein voller Erfolg, die ich jederzeit wiederholen würde.