Middewinter ist im Westmünsterland die mundartliche Bezeichnung für Weihnachten, so wie Sylvester Olle Jaors Aobend genannt wird. So bedeutet der Name Middewinterhorn also eigentlich Weihnachtshorn.
Das Middewinterhornblasen blickt schon auf eine jahrhundertelange Tradition zurück, besonders in den niederländischen Provinzen Twente und Achterhoek sowie im norddeutschen Grenzgebiet um Löningen. Vorwiegend erschallte das Horn in der Advents- und Weihnachtszeit bis zum Fest der hl. Drei Könige. Es diente also zur Ankündigung der Geburt Christi.
Erst in 2. Linie wurde das Horn auch als Signalhorn gebraucht, Vielleicht haben auch Schmuggler und Wilderer sich des Middewinterhorns bedient, um einander auf Zollbeamte und Flurschützer aufmerksam zu machen, da bei günstigem Wind und trockenem Frostwetter die Klänge einige Kilometer weit zu hören sind.
Das Aussehen des Middewinterhorns hat sich in letzter Zeit auch unterschiedlich entwickelt. So wird im norddeutschen Löningen ein kurzes Horn 30-60 cm und im niederländischen Raum ein etwa 80- 150 cm langes Horn gespielt. Der Name Middewinterhorn konnte sich ebenfalls im deutschen wenig durchsetzen, so ist dieses Horn auch unter der Bezeichnung Adventshorn oder Dewertshorn bekannt.
In vielen Dörfern in Twente und im Gelderischen Achterhoek geschieht das herkömmliche Middewinterhornblasen noch heute in den Städten dagegen ist es so gut wie vergessen.
Hergestellt wird das Middewinterhorn aus weichen Holzarten wie Birke, Weide oder Erle. Man braucht dazu einen Ast mit einer Krümmung am dickeren Ende. Abgesägt wird das Holz am besten im Winter, wenn nicht mehr viel Saft in -den Bäumen ist. Es wird so viel Rinde und Holz abgeschält, bis man die gewünschte Stärke erhält. Anschließend muß das Holz mindestens ein halbes Jahr lang trocknen. Danach sägt man den Ast mit einer Bandsäge der Länge nach mitten durch.
Mit einem Holzmeißel werden die beiden Hälften ausgehöhlt bis auf eine
Wandstärke von 7- 10 mm. Das ist wichtig für die Qualität des Tones. Nach dem Aushöhlen werden die beiden Hälften sofort aneinander geleimt. Früher wurden die Hälften mit Weidenruten an 6- 8 Stellen gebunden. Damit die Teile dicht schlossen, legte man Binsen dazwischen.
Man kann das fertige Horn nach Geschmack ein färben; auch eine Behandlung gegen Holzwurm ist zu empfehlen. Als Schmuck dienen Bänder aus Brombeerrinde oder Weidenruten; heute wird auch Peddigrohr oder manchmal auch Kupfer- band benutzt.
Zuletzt wird ein Mundstück aus Holunder am dünnen Ende eingesteckt.
Früher wurden die Hörner nicht immer aus Holz gemacht, man nahm auch Kuhhörner oder solche aus Ton. Damit das hölzerne Horn luftdicht war, mußte es vor dem Gebrauch in Wasser quellen. Es wurde meist in den Brunnen gehängt. Das Horn hat weder Löcher noch Klappen, es wird beim Blasen quer gehalten. Der Ton bildet sich wie bei einem Alphorn oder Waldhorn durch das Geschick des Bläsers. Da die Hörner in Handarbeit hergestellt wurden und unterschied lich groß sind, hat jedes seine eigenen Stimmlage und ist daher für das Zusammenspiel nicht geeignet, wohl aber für korrespondierended Blasen wie Ruf und Antwort.
Fast wäre der alte Brauch des Middewinterhornblasens in Vergessenheit geraten, wenn nicht einige Leute - allen voran Borghuis aus Oldenzaal - dafür gesorgt hätten, ihn mit neuem Leben zu füllen. Das war im Jahr 1953.
Vom 1. Advent bis zu HI. Dreikönige kann man in den schon erwahnten Gegenden in den Abendstunden regelmäßig das dumpfe Middewinterhorn hören.
Selbst ein Wettblasen wird veranstaltet: am 2. Weihnachtstag für Senioren und am 1. Sonntag im Januar für Junioren, woran sich etwa 60 - 80 Personen beteiligen. Eine Jury ermittelt die vierköpfige Gewinnergruppe, die als Preis das "silberne Horn" erhält.
Wer über diese knappe Darstellung hinaus weiteres
über das Middewinterhorn- blasen wissen möchte,
dem sei das Buch von Everhard Jans
"Het midwinterhoorn- blazen", erschienen bei
Witkam, Enschede empfohlen.
Doch nun genug der langen Rede, hier nun ein paar
akkustische Beispiele:
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Melodie aus LöningenVon mir selbst geblasen:
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oalde roap-
Begrüßung-
Denekamp -
Middehornmelodie uit de Tecklenburgerland