P R I E B E :

Vor 1945 vorwiegend im westpreußischen Kreise Marienwerder (Garnsee, Gilwe, Groß Krebs, Groß Tromnau, Mahren, Marienwerder, Ottotschen, Wandau und Zigahnen), teilweise auch im benachbarten Kreise Rosenberg Riesenburg, Rosenberg und Groß Nipkau), ferner zu Halle an der Saale, Kassel, Konitz, Ludwigsburg, Lübeck, Preußisch Mark und Pyritz in Pommern ansässig gewesen. Konfession Evangelisch.

Der Name Priebe (Pribe, Prib, Priewe, Prybe, Prübe u. ä.) ist eine Kurzform des wendisch-slawischen Vornamens Pribislaw. (urslaw. *pribyti >zunehmen, dazukommen<+ urslaw. *slava >Ruhm, Ehre<)    

 

Dieser Name, auch Prib(i)slaus, kam im 12. Jahrhundert in den damals slawischen Gebieten östlich der Elbe, d. h. im späteren Mecklenburg, in Brandenburg und Pommern vor, und hat sich von dort ostwärts ausgebreitet. In der Geschichte ist er durch mehrere wendische Fürsten aus der Zeit Albrechts des Bären und Heinrichs des Löwen sowie aus der Geschichte von Hinterpommern bekanntgeworden.

Eine Ahnenlinie mit dem heidnischen Obotriten Fürst Niklot ( 1100 - 1160), dessen Sohn ebenfalls Pribislav hieß, nur über die wiederkehrende Namensvergabe herstellen zu wollen, wäre vermessen, und muß in den Bereich Wunschdenken verbannt werden. Es existieren keine Hinweise auf eine Verwandtschaft mit dem Geschlecht der Herzöge von Mecklenburg.

Einige ältere Namensvorkommen seien hier aufgeführt :

1212 P r i b e und Sohn Tessimer sind bei einem Landverkauf an das Kloster Klebow in Pommern genannt.

1368 Johann P r i b e wird bei einem Landverzicht gegen über dem Pommernherzog Barnim VII. erwähnt.

1393 Ein P r y b e befand sich unter den Vitalienbrüdern des Klaus Störtebecker.Hervorgegangen sind sie aus dem Seeräuberhaufen, der sich um das mecklenburgische Herzogshaus zwischen 1390 und 1395 im Kampf gegen die dänische Königin Margarete scharte.

1492 Zu Bernhagen im Archidiakonat Kammin gibt es einen Presbyter Johann P r i b e, ferner bis nach 1562 zu Usedom einem lutherischen Pastor Andreas P r i b e

1568 Zu Stolp in Pommern werden ein Tewes P r i e b e

1583 ein Jürgen P r ie b e genannt.

1588 Sylvester P r i b e aus Bärenwalde bei Neustettin wird in den UniversitätsMatrikeln von Frankfurt an der Oder erwähnt. Er latinisiert seinen Namen in Pribenius, wird Professor der Logik und Ethik zu Stadthagen, Rinteln und Herford und stirbt 1627 als Rektor zu Osnabrück.

Das hier behandelte Geschlecht P r i e b e stammt aus der Gegend um Belgard und Neustettin in Hinterpommern, einem Gebiet, das durch die schwedisch-polnischen Kriege und die dauernden Grenzfehden zwischen den pommerschen Herzögen, dem polnischen Starosten von Draheim und dem Kurfürsten von Brandenburg besonders stark betroffen war, wodurch viele Bauern ihr Hab und Gut, Haus und Hof verloren. Ganze Dorfschaften verließen im ersten und zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts ihre verwüsteten und geplünderten Höfe und zogen - oft in Gruppen - ostwärts in das damals polnische Konitz, wo der Name P r i e b e seit 1553 aufgeführt wird.Vereinzelt wurde der Name polonisiert in P r y b a.

Die meisten pommerschen Bauern zogen jedoch noch weiter in das herzogliche Preußen, wo sich ihnen in den ebenfalls wüst gewordenen Dörfern der Weichselniederung bzw. den Dörfern auf der Höhe um Marienwerder günstige Ansiedlungsmöglichkeiten boten. Soweit wie möglich ließen sie sich geschlossen nieder, so auch Michael P r i e b e , der Ahnherr dieser Stammfolge, zu Mahren im Kirchspiel Neudörfchen, auf dem Gut derer von Groeben, damals zum Amt Riesenburg, später zum Kreise Marienwerder gehörig.

 

Noch 1945 konnte man an den Namen der Dorfbewohner von Ottotschen, Mahren, Wandau und anderen deren pommersche Herkunft feststellen. Im ältesten Kirchenbuch von Neudörfchen wird der Name zum ersten Male 1682 anläßlich der Trauung des Reimann P r i e b e, Sohn des verstorbenen Michael P r i e b e, Bauersmanns aus Mahren, erwähnt. 1689 ist dieTrauung des Michael P r i e b e, ebenfalls Sohn des vorgenanntenMichael Priebe, eingetragen

 

Die Nachkommen des Michael P r i e b e waren überwiegend im landwirtschaftlichen Bereich, meist als Bauern in den Dörfern Mahren, Ottotschen, Wandau, Gilwe, Groß Krebs, Littschen und Zigahnen, tätig. In all diesen Dörfern stellten sie von Zeit zu Zeit den Schulzen, Oberschulzen, Dorfgeschworenen, den Kirchvater und Schulvorsteher, schließlich den Bürgermeister. In einer Liste über die Besetzung der zu den Neudörfchenschen Gütern gehörenden Dörfer waren z. B. in Ottotschen 1778/78 von insgesamt 16 Bauern 6 namens P r i e b e, dergleichen, im Zinsregister von 1780/81. In einer Flurkarte von Wandau sind 1817  4 Bauern P r i e b e eingetragen, gleichfalls von 16.

Wegen der zur gleichen Zeit immer wieder vorkommenden Häufigkeit von gleichen Vornamen (insbesondere Christian) wurden diesen Bauern P r i e b e entweder numeriert, z. B. in Mahren Christian P r i e b e I - IV, oder sie erhielten Spitznamen, die sich auch auf ihre Söhne vererbten.

So gab es in Wandau einen

"S t r u c k - P r i e b", weil dieser um sein Anwesen eine hohe Strauchhecke anpflanzte von denen auch 25 Jahre später noch Rest vorhanden waren.

"V o s s - P r i e b", weil sein Hof in einer von einem Bach durchzogenen Flur lag, der "Fuchs-Riege", einer Flurbezeichnung, die man aus Pommern mitgebracht hatte. Riege heißt im Wendischen "Bach" und ist in Pommern die Endung zahlreicher Dörfer.

"P e t c h - P r i e b" (mundartlich = Pech-P.), weil dieser Namensträger mit einer Pech verheiratet war und in seinem Leben auch viel Pech hatte.

"P u s t - u t - P r i e b" (mundartlich = puste aus-Priebe ) . Dieser Priebe wohnte am Dorfende und abseits der Straße. Wenn er bei Dunkelheit ins Dorf ging, nahm er daher stets eine Laterne mit. Sobald er das Dorfgasthaus mit der brennenden Laterne betrat, scholl ihm der Ruf entgegen: "Pust-ut Prieb ! "

 

Die geringe Auswahl an Vornamen ist familienspezifisch, und hat sich im Laufe der Jahrhunderte vererbt. Erkennbar ist, daß die erstgeborenen Kinder nach dem Vater des Vaters   oder  direkt nach dem Vater benannt wurden. Dabei spielte das Geschlecht des Kindes keine Rolle, bei Töchtern wurde der Name dann femenisiert.

Beispiel Christian > Christine/a oder Gottlieb > Gottliebe.

  Im ältesten Kirchenbuch von Groß Nebrau in der Weichselniederung im späteren Kreis Marienwerder wird 1647 die Trauung eines Erdmann P r i e b e mit Catharina P r i t z l a f f, ferner 1657 der Tod von Joachim P r i e b e und seiner Ehefrau Dorothea aus Schinkenberg bei Marienwerder aufgeführt.

Ob mit diesen und einigen anderen im Groß Nebrauer Kirchenbuch genannten Namensträgern eine Verwandtschaft mit dem Stammvater Michael P r i e b e besteht, konnte bisher nicht festgestellt werden. Dagegen ist eine solche mit den im Kirchenbuch Garnsee bei Marienwerder 1661 genannten Kersten  P r i e b e, der Maria Q u a n d t aus Scharpenort in der Draheimschen Starostei heiratet, sowie dessen Schwester Maria, die im gleichen Jahre Hans S c h w a r t z aus Rederitz bei Deutsch Krone heiratet, zu vermuten.

Beide stammen aus Zacharin in Pommern. Wie auf dem abgeschiedenen Lande üblich, heirateten viele Priebe untereinander, auch gibt es eine auffällige Häufung von Heiraten mit den Nachbarssippen - dies über mehrere Generationen hinweg. In der hier dargestellten Familienforschung tritt der Ahnenschwund gehäuft auf.Im 19. Jahrhundert verließen viele Söhne der Priebe-Bauern ihre Dörfer, wurden Handwerker, Berufssoldaten, Angestellte, Beamte, Kaufleute und Lehrer.

 

Im Jahre 1945 mußten auch die letzten Angehörigen des Geschlechts Priebe ihre westpreußische Heimat verlassen, in der sie fast 350 Jahre seßhaft gewesen waren. Heute jedoch sind sie nicht wie damals im 17. Jahrhundert, als sie aus Pommern kamen, eng beieinander, sondern verstreut über alle Teile Deutschlands und auch in Übersee (USA, Kanada, Brasilien) ansässig. Eine aktuelle Statistik weist eine starke Frequenz um die "Great Lakes"aus. So gibt es dort inzwischen Straßen und Airports die unseren Namen tragen.

 

Als Quelle für die Stammfolge dienten besonders die evangelischen Kirchenbücher von Neudörfchen (Kr. Marienwerder in Westpreußen), die von 1768 bis 1817 eine empfindliche Lücke aufweisen. Diese Jahrgänge fehlten bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Es war nicht leicht, sie zu überbrücken. Glücklicherweise sind von dieser Kirche seit 1779 Konfirmandenlisten erhalten, in denen außer den Namen der Konfirmanden auch deren Geburtsdaten, die Namen der Väter und deren Berufe verzeichnet sind. Weiter halfen Listen über die Besetzung der zu den Neudörfischen Gütern gehörenden Dörfer Ottotschen, Mahren, Wandau und andere und Zinsregister aus den Jahren 1777-1781 über die Kirchenbuchlücke hinweg, ferner Abschriften aus Grundbuchakten.