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Leider
wird die Aquaristik immer noch sehr häufig als einfaches
Hobby angesehen das man eben einfach mal so ausprobiert, oder
sogar nur als Zimmerschmuck betrachtet, der keinerlei Vorwissen
erfordert. Wir sollten uns aber darüber im Klaren sein,
dass die Haltung von Fischen auch die Übernahme von Verantwortung
für die erworbenen Tiere bedeutet. Die Aquaristik sollte
deshalb nicht minder geplant werden, wie die Anschaffung eines
Hundes, bei dem man sich auch im Vorhinein darüber im
Klaren sein muß, ob man sowohl Wissens- , als auch von
den Lebensbedingungen her in der Lage ist, den Tieren eine
artgerechte Haltung zu gewährleisten.
Der
nachfolgende Text soll diese Gedanken ein wenig erleichtern.
Eine
Information des "Bundesverbandes für fachgerechten
Natur- und Artenschutz" (BNA)
Die "Mindestanforderungen für die Haltung von Zierfischen"
wurden erarbeitet von der "Arbeitsgemeinschaft Aquaristik
im BNA" unter Federführung des
VDA
- Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde
e.V.
in Zusammenarbeit mit
DCG - Deutsche Cichliden Gesellschaft e.V.
DKG - Deutsche Killifisch Gemeinschaft e.V.
DGLZ - Deutsche Gesellschaft für Lebendgebärende
Zahnkarpfen e.V.
BSSW - Arbeitsgemeinschaft Barben, Salmler, Schmerlen, Welse
im VDA
IRG - Internationale Gesellschaft für Regenbogenfische
e.V.
AKZ - Arbeitskreis Zwergcichliden im VDA
AKL - Arbeitskreis Labyrinthfische im VDA
sowie unter Mitwirkung der
IGL - Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische
Allgemeiner
Teil
Am 14.3.1995 beschloß eine Diskussionsrunde aus Vertretern
der Aquaristikverbände, Tierärzteschaft, Schauaquarien
und Tier- und Naturschutzverbänden auf Einladung des
Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung
und Forsten (BML) unter Leitung von Dr. Baumgartner, den Versuch
zu unternehmen, allgemeine Halterichtlinien für Aquarienfische
aufzustellen. Auf einer vom BNA ausgerichteten Veranstaltung
am 19.8.1995 einigten sich die Vertreter verschiedener Aquaristikverbände,
die Angaben zu den Halterichtlinien auf folgende Parameter
zu beschränken: Temperatur, Wasserhärte, pH-Wert,
Aquariengröße und die Sozialfaktoren Schwarmfisch
oder Gruppe sowie eventuelle Besonderheiten als Bemerkung
anzuführen.
Die
Arbeitsgemeinschaft im BNA hat dies für einige häufig
gepflegte Aquarienfischarten getan. Dabei wurden sowohl Messungen
von Freilandfundorten als auch empirische Erfahrungen aus
der aquaristischen Haltung berücksichtigt. Hierbei zeigte
sich, daß die Freilandmessungen der Wasserparameter
in Abhängigkeit von Ort und Jahreszeit sehr unterschiedliche
Ergebnisse aufweisen. So wurden an den Fundorten des Segelflossers,
Pterophyllum scalare, eines der häufigsten Aquarienfische,
pH-Werte von 4,5 - 8 festgestellt sowie Temperaturen zwischen
23 und 30 Grad C. Die Wasserhärte reichte von weich bis
mittelhart. Diese Daten zeigen eindrucksvoll, über welche
ökologische Potenz diese Fische verfügen. Dabei
geben sie selbstverständlich keinen Hinweis darüber,
welche Werte das Optimum für diese Art darstellen würden,
sondern zeigen lediglich auf, daß die weitverbreitete
Meinung, südamerikanische Fische benötigen generell
weiches und saueres Wasser, nicht richtig ist.
Haltungsanforderungen
dürfen jeweils nur für einzelne Arten formuliert
werden. Eine undifferenzierte, pauschalisierende Zuordnung
von ganzen Fischgattungen oder sogar Fischfamilien zu bestimmten
Wasserwerten steht im Widerspruch zum Tierschutzgesetz, weil
sie der in Paragraph 2 TierSchG geforderten artgemässen
Pflege widerspricht. Die einzige Ausnahme bilden die endemischen
Fischarten aus den großen ostafrikanischen Seen, da
dort die Wasserwerte vergleichsweise stabil sind.
Ein
Aquarium ist ein ausgesprochen komplexes System, das durch
die aufgeführten Parameter nur ungenügend zu beschreiben
ist. Neben den abiotischen Faktoren sind vor allem die sozialen
und ernährungsspezifischen Faktoren von besonderer Wichtigkeit.
Ist der Faktor Ernährung in gewissen Grenzen noch übersichtlich
darstellbar, scheint es für die sozialen Komponenten
unmöglich, diese allgemeingültig aufzustellen. Hier
kommt es zu Interaktionen zwischen Fischen der gleichen Art,
Männchen- Weibchen, juvenil-adult, wie auch zwischen
verschiedenen Arten. Weiterhin sind die sozialen Interaktionen
zur Fortpflanzung anders als außerhalb dieser Phase.
Dies sind so komplizierte Vorgänge, daß sie nur
am konkreten Fall zu beschreiben sind.
Die
Arbeitsgemeinschaft Aquaristik im BNA ist bei der Diskussion
über Halterichtlinien für Aquarienfische zu dem
Ergebnis gekommen, daß aufgrund der Komplexität
der Thematik nur bedingt Angaben gemacht werden können,
die für eine Haltungsbewertung im Sinne des Paragraphen
2 TierSchG brauchbar sind. Hier kommt es vielmehr auf den
konkreten Fall an. Ob der Zustand eines Aquariums oder einzelner
Individuen den tierschutzrechtlichen Anforderungen entspricht,
ist vom erfahrenen Aquarianern hingegen phänomenologisch
durchaus zu bestimmen. Der wichtigste Indikator ist der Fisch
selbst: Sehen die Fische gesund aus, sind sie richtig ernährt
? Schwimmen sie ihrer Art gemäß normal ? Weisen
sie Verletzungen auf, die ihnen von anderen Fischen beigebracht
wurden, stehen sie unter Dauerstress ? Das sind empirische
Parameter, die für eine sinnvolle Beurteilung wichtiger
sind als meßbare Parameter, wie z.B. die Wasserhärte.
Trotzdem hat sich die Arbeitsgemeinschaft Aquaristik im BNA
entschlossen, an dem Versuch mitzuwirken, Mindestanforderungen
für die Haltung von Zierfischen aufzustellen.
Es
ist Übereinkunft darüber erzielt worden, die Mindestanforderungen
für die Haltung von Aquarienfischen auf fünf Größen
zu beziehen: Wassertemperatur, Wasserhärte in Grad dGH,
pH-Wert, maximale Größe der Fische, Aquariengröße
in Kantenlänge. Wichtig war dabei deren leichte Meßbarkeit,
damit rasch und unkompliziert festgestellt werden kann, ob
den Mindestanforderungen entsprochen wird. Bei den drei Wasserparametern
handelt es sich um grundlegende Werte, die in der Aquaristik
traditionell gemeßen werden und in der Fachliteratur
als Pflegeempfehlungen weitergegeben werden. Die verschiedenen
Meßmethoden der chemischen Parameter sind für jedermann
leicht und ohne großen Aufwand nachvollziehbar.
Temperatur/Temperaturbereich
Die Angaben nennen Werte, unter denen die jeweiligen Arten
problemlos gehalten werden können. Diese Temperaturbereiche
sollten nicht wesentlich über- oder unterschritten werden
(+/- 2 Grad C). Für die dauerhafte Pflege sind mittlere
Werte anzustreben. Lediglich zur Zucht bzw. zur Zuchtvorbereitung
können Abweichungen erforderlich sein. Bei der Vergesellschaftung
ist darauf zu achten, daß nur Arten mit vergleichbaren
Ansprüchen zusammen gehalten werden.
Härte/Härtebereich
Die Angaben in Graden deutscher Gesamthärte (ødGH)
beziehen sich auf Definitionen, die unkompliziert und einfach
zu handhaben sind:
weniger
als 10 Grad dGH = weich
10 - 20 Grad dGH = mittelhart
mehr als 20 Grad dGH = hart.
Diese
Werte sollten nicht wesentlich über- oder unterschritten
werden (+/- 3 Grad dGH). Lediglich zur Zucht bzw. Zuchtvorbereitung
können Abweichungen erforderlich sein.
pH-Wert
Die Angaben bezeichnen Werte, unter denen die jeweiligen Arten
gehalten werden können. Für die dauerhafte Pflege
sind mittlere Werte anzustreben. Die Verschiebung des pH-
Wertes um nur eine Stufe, z.B. 6,0 auf 7,0, hat die zehnfache,
um zwei Stufen die hundertfache, um drei Stufen die tausendfache
Veränderung der Wasserstoffionenkonzentration zur Folge.
Die Vorgaben sollen daher nicht um mehr als höchstens
0,5 pH über- oder unterschritten werden. Lediglich zur
Zucht bzw. Zuchtvorbereitung können Abweichungen erforderlich
sein.
Maximale
Größe
Es wird die unter Aquarienbedingungen erreichbare Gesamtlänge
genannt. Sofern sie geschlechtsabhängig variiert, wird
die erreichbare Gesamtlänge des größer werdenden
Geschlechts bezeichnet.
Aquariengröße
Besonders problematisch ist die Angabe der Aquariengröße,
da sie von vielen Variablen abhängig ist: Versteckmöglichkeiten,
Bepflanzung, Vergesellschaftung, Besatzdichte u.ä. Die
in Teil II gemachten Angaben gelten nicht für eine vorübergehende
Haltung im Handel oder auf Börsen und ähnlichen
Veranstaltungen. Die Angaben beziehen sich auf die Kantenlänge
handelsüblicher Aquariengrößen, z.B.:
Größe
L x B x Höhe Inhalt
40 cm = 40 x 25 x 25 cm 25 l
60 cm = 60 x 30 x 25 cm 63 l
80 cm = 80 x 35 x 40 cm 112 l
100 cm = 100 x 40 x 50 cm 200 l
Sie
sind Richtwerte, unter denen die jeweiligen Arten dauerhaft
gehalten werden können. Diese Maße sollten nicht
wesentlich unterschritten werden. Zur Zucht bzw. Zuchtvorbereitung
kann eine abweichende Behältergröße sinnvoll
sein.
Besonderheiten/Bemerkungen
Hier sind arttypische Besonderheiten des intraspezifischen
Sozialverhaltens, Ernährungsspezialisierung usw. genannt.
Auch diese Angaben, die auf verschiedenen Pflegeerfahrungen
und Verhaltensbeobachtungen beruhen, dienen der Bewertung
der Aquarienfischhaltung und sind Mindestanforderungen. Bei
Arten, die sich für die Aquarienhaltung nur bedingt eignen,
ist dies vermerkt. Eine verantwortungsvolle Fischpflege ist
nur dann gegeben, wenn die Fische über ihren gesamten
Lebenszeitraum hinweg ohne Beeinträchtigung ihrer Bedürfnisse
gepflegt werden können.
Eine
umfangreiche Liste mit spezifischen Anforderungen unterschiedlicher
Fischarten gibt es bei Manfred Velt unter http://www.aquarium-bbs.de/mindanfo/ma-zh-zf.htm.
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Quelle:
http://www.aquarium-bbs.de/mindanfo/ma-zh-zf.htm
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